Liebe/r
Gesetze werden, unter anderem, erlassen, um übergangen zu werden. Nein, wirklich!?
Nun, zumindest erinnern sie den Nichtwissenden an das, was die Allgemeinheit für Erstrebenswert hält.
So wird mir im Northern Territory zunächst einmal gesagt: „Das Überschreiten von Eigentumsgrenzen, ist verboten!“
Mit Eigentum sind hier Ländereien gemeint, die leicht Landesgrößen
erreichen.
Mein persönlicher Gedanke dazu gibt diesem Gesetzt eine abweichende Note. Wenn Vieh-Besitzer Ländereine besitzen können, welche mit der Gesamtfläche Nord-Rhein-Westfalens vergleichbar sind, nur weil sie Rindvieh darauf frei weiden lassen wollen, dann fällt mir, als Bürger des selben Landes, ebenso das ungeschriebene Gesetz zu „mein“ Land
sehen zu dürfen.
Die Zäune auf beiden Seiten der endlosen Straße wollten einfach kein Ende finden. Ich spreche hier vom Stuart Hwy, im Vergleich mit Deutschland, eine Landstraße etwa so schüssig, wie die Landstraßen um 1970. Dazu geflickt und neu geteert, um im nächsten heißen Sommer wieder weich zu werden wie ein Pudding.
Darüber brausen
gigantische LKW mit vier Anhängern als Roadtrains bekannt und bringen Waren und Treibstoffe über 2711km von der Südküste bis hoch in den Norden nach Darwin.
Und natürlich, zwischen den Ortschaften – solange man diese so nennen kann – liegen mal leicht hundert Kilometer. Dazwischen jede Menge Landschaft.
Und dann erscheint – wie die
Zufahrt zu einer Weide – ein Gatter mit dem Schild „Tor bitte schließen „Grazing Cooperation“. Eine Company also der hier die Weiderechte gehören.
Ich gewährte mir die Zufahrt, und stand zirka 6km weiter auf einer Anhöhe mit Blick ins Land. ( Das Foto oben gibt diesen Eindruck wieder)
Es war später Nachmittag. So stieg ich also erstmal aus und
erkundete die Landschaft.
Was sich mir anbot waren die erstarrten Reste einer einst glühenden, fließenden Landschaft. Hier war die Erde aufgebrochen und hatte den flüssigen Erdmantel unter Hitzeeinwirkung verglast. Dazwischen wachsen heute „Julpa-Waru“, in unserem Wortschatz Spinifex genannt.
Es handelt sich um ein steifes Gras, dessen Blattspitzen im falschen Winkel berührt, wie feine Nadeln in die Haut eindringen. Aber auf Grund der Bodenbeschaffenheit bilden sich Pfade
zwischen den Grasklumpen, sodass ein Weiterkommen durchaus einladend und erfolgreich ist.
Es ist Winter, und die Temperaturen erinnern an einen europäischen Sommer. Na, vierzig Grad werden es eher selten, aber mit 35 kann man schon mal leicht rechnen.
Dazu piesackten mich an
allen Orten hier draußen die Buschfliegen. Sie sind nicht so groß wie unsere Hausfliegen, müssen aber, und es sind mit jedem Schritt neue, ausgiebig erleben, was ein Mensch wohl für ein außergewöhnliches Lebewesen ist. Tatsächlich gibt es hier draußen ja auch eher selten Menschen und wenn, sind sie meist am Rande einer Straße zu finden.
Nein, diese Buschfliegen haben im Grunde nichts Böses im Sinn, sind aber, aufgrund
ihrer Landeorte, vorwiegend im Ohr, in der Nase, oder um die Augen herum, verständlicherweise äußerst nervig!
So nutze ich halt die Tageszeiten für einen Spaziergang, die mit weniger Fliegen rechnen lassen. Abends, wenn es kühler wird, oder morgens, wenn die Kühle der Nacht noch nachhallt.
Der Buchanan Hwy (Dirt Road), an dem ich zuvor meine Abgeschiedenheit fand, verbindet über viele hundert Kilometer, große Farmen und winzige Ortschaften mit der Ökonomie Australiens. An mir vorbei – ich war hinter ein paar Büschen platziert – fuhren täglich bis zu sechs Fahrzeuge. Die meisten davon Roadtrains und kleinere LKW’s.
Die Stille war also hörbar.
Und damit bin ich dann auch schon bei dem Thema, was mich am meisten angeht. Es gab einen Tag, an dem die Stille so dominant war, dass ich mich selbst dabei ertappte, sie nicht durch unnötige Bewegungen oder in die Einsamkeit gestammelte Worte unterbrechen wollte.
Tatsächlich scheint mir die Stille so einig mit meinem Grundbefinden, das ich immer seltener ein Bedürfnis nach Unterbrechung
verspüre.
Wohin das führt?
Ich bin sicher, dass ein menschliches Dasein, seiner Natur entsprechend eine gewisse Affinität für diese Wahrnehmung mit sich bringt.
Nicht jeder wird in seinem/ihren jetzigen Leben den Anschluss an den Kreislauf der Seele verfolgen, aber wir haben nicht nur Bewusstsein, sondern wir sind Bewusstsein. Dasselbe
wird nicht in unserm Gehirn generiert, sondern ist gleichzeitig überall. Es ist die Grundlage aller Existenz, und generiert die Welt!
Tatsächlich kann doch ein jeder bestätigen, dass alles, einschließlich die Wahrnehmung unserer eigenen Existenz, über unser Bewusstsein zu uns kommt.
Sind unsere Gedanken also von Angst besetzt, sehen wir eine
ängstliche Welt. Honorieren wir dagegen, was uns die Welt in aller Offenheit preisgibt, erkennen wir, dass das Leben – sowohl unser eigenes als auch das von dem wir umgeben sind – immer die Tendenz zeigt sich zu erhalten, neue Formen anzunehmen und zu neuen Horizonten unterwegs ist.
Stellten wir die Quellen der Wirklichkeit mit Präzision einander gegenüber, so erschiene die von Menschen gemachte Uneinigkeit verschwindend gering, im Vergleich mit der unbegreiflichen Wahrheit eines blauen
Planeten, der sich mit 2000 Stundenkilometern um die eigen Achse dreht und mit noch größerer Geschwindigkeit durch den unendlichen Raum des Alls rast.
Gerade was diese unfassbare Wirklichkeit betrifft, nimmt der Augenblick unserer Existenz einen besonderen Stellenwert ein. Das „Jetzt“ unserer Lebenszeit stellt den hohen Anspruch der absoluten Hingabe. Alles was wir je erreichen wollen; seien es materielle Güter oder Ekstasen
der Wahrnehmung, alles kann nur in diesem Augenblick des Seins erreicht werden.
Wollen wir also mehr von dem sein, was wir natürlicherweise sind, dann sind wir nicht nur lebensbejahend, sondern lieben den Nächsten wie uns selbst.
Im Anschluss eine wissenschaftliche Youtube
Präsentation über die voraussetzenden Bedingungen unserer Selbstwahrnehmung und die der Welt, in der wir leben.
https://youtu.be/uIKrkhmLMaA?si=qpRKr7S6qRfcVOfZ
Ihr findet sicher den Weg der KI die den Kommentar ins Deutsche übersetzen kann.
Mit herzlichen Grüßen von "Down Under"
Richard C Rickert