Liebe/r
Nachdem ich eine geologische Dokumentation über die „Devils Marbles“ gesehen und gehört hatte, musste ich nochmal in die entgegengesetzte Richtung fahren. Die 160 Kilometer rückwärts sollten sich mehr als lohnen.
Schon vorher fragte ich mich, was den Menschen wohl dazu bewegt den Schauplatz eines tiefgreifenden
Naturphänomens mit einem solchen Namen zu bedenken!? „Devils Marbles“, also die Murmeln des Teufels!
Ich denke, alles, für was wir keine Erklärung haben, muss vom Teufel stammen. Dabei ist doch jede Form der natürlichen Erscheinung gewissermaßen unerklärbar. So schön, so detailliert, so einzigartig, vom Leben selbst mal gar nicht zu sprechen.
Heute kann
man die riesigen Murmeln und ihre Entstehung erklären, was ihnen den Zauber nicht nehmen kann.
Aber kurz nochmal zum Verständnis der Zusammenhänge:
Alles, was wir nicht erklären konnten – ich denke, heute reagieren wir schon ein wenig anders – gehörte also dem Teufel an.
Dabei gibt es den Teufel, im Sinne von selbst handelndem, individualisiertem Dämon gar nicht. Alles, auch das Dunkle, dass was wir nicht
verstehen, gehört zu der einen Kraft, die sowohl denkender Geist als auch unkontrolliert erscheinende Naturkraft ist.
Es ist also die reine Unwissenheit, die uns dazu bewegt etwas dem Teufel zuzuschreiben!
Verstehen wir es einmal, dann erkennen wir, dass alles ein Teil von dem ist, dem auch wir angehören!
Ich erreichte nach langer geradeaus Fahrt auf
dem Stuart Highway also die Granitmurmeln, deren Erscheinung hier, durch Verwitterung, im Laufe von 1,7 Milliarden Jahren entstanden war.
Schon die Aborigines, deren Kultur heute als die älteste der Welt gilt, kamen hier zusammen, um Riten zu vollziehen, welche zu den zentralen, kulturellen Festen ihrer Stämme zählten.
Vier Stammesgrenzen, der Warumungu, Kaytetye, Warlpiri and Alyawarra peoples kamen hier
zusammen.
So wurde der heilige Ort, unter den Stämmen bekannt als „Karlu Karlu“, von vier Tribes für rituelle Anlässe genutzt.
Die Stätte nimmt einen zentralen Platz in den Schöpfungsträumen ein.
Interessant festzustellen sind hier die neuesten, wissenschaftlichen Erkenntnisse über diesen Ort.
Tatsächlich entstanden die Granitfelsen
in einem Lavastrom, der zum Entstehen der heutigen Landschaft führte.
Zeit- und Wettereinflüsse sorgten dafür, dass die Standflächen mancher Brocken größerer Verwitterung ausgesetzt waren als die Felsen selbst.
So erscheinen manche von ihnen heute, wie von Zauberhand gehalten, eine Balance an, die sie wie ein, in der Zeit eingefrorenes Ereignisse erscheinen lässt. Die Bilder dazu im Reisebericht!
Ich kann eigentlich nur wiederholen, welch außergewöhnlichem Privileg ich mit meiner Reise aufgesessen bin. Dabei ist es durchaus nicht immer einfach wirklich loszulassen und sich die Zeit zu nehmen Umwege zu fahren.
Dabei, was sind Umwege?
Eindeutig kommt hier ein Schulwissen zum Tragen,
welches mir wie den meisten von uns, bis in die Haarwurzeln eingehämmert wurde.
Blos keine Umwege machen. Immer auf der geraden Enge gesellschaftlicher Vorschriften bewegen usw. usw.
Soeben lese ich einen Roman über das Miteinander der Menschen im 17 ten Jahrhundert (um 1660). Britische Einwanderer nach Amerika in Kommunikation mit den
naturbezogenen Ureinwohner.
Lesenswert wie ich meine. Von Geraldine Brooks: Calebs Crossing. Sie ist Australierrin und gewann den Pulizer Prize.
Mein persönlicher Gedanke: Sicher wäre den Ureinwohnern das Leid erspart geblieben, hätte es nicht auch für sie etwas zu lernen gegeben.
So lernen wir, und blicken mit Nachsicht auf die Vergehen vorangegangener Generationen.
Immer wenn wir direkt betroffen sind, sind Leiden nur schwer zu ertragen. Einmal gelöst vom Körper aber – so berichten viele Zurückkehrer – macht alles Sinn und wird als Vergänglich erkannt.
Lasst uns also den Blick auf die „unendliche Seele“ nicht verlieren, sondern, im Gegenteil, lasst uns ihn zurückgewinnen, indem wir am
Augenblick des Lebens mit neuer Intensität teilhaben.
Alles macht Sinn und findet Zusammenhang, wenn der Auftrag des Lernens in der menschlichen Vergänglichkeit erkannt wird. Allein in diesem Augenblick können wir – soweit wir sie erkennen – Einfluss nehmen auf die Entwicklung der Zukunft.
Die Attribute der eigenen Seele kennenzulernen, heißt
Befriedigung zu finden in allem, was wir tun! Sei jetzt hier und diene dem, das Dir das Leben schenkt!
Mit herzlichen Grüßen von "Down Under"
Richard C Rickert