Liebe/r
Der Besuch in Tennant Creek war mehr als
überraschend, eher befremdlich und nachdenklich stimmend.
Es handelt sich um ein Outback Town dessen Isolation, durch die enormen Highway-Distanzen in jede Richtung, deutlich wird.
Die vorherrschende Landschaft, auf meinem Weg von Ost nach West, zeigte echtes Savannenland, dominiert von Grassteppen und Buschland, soweit das Auge reicht. Diese Landschaften, so muss man sagen, sind im Besitz von Privatunternehmen, die
hier vorwiegend Rindvieh frei weiden lässt und den Auftrieb mit Hubschraubern besorgt.
Aus einer solchen Landschaft kommend, fuhr ich nun auf Tennant Creek zu. Schon mehrere Kilometer nördlich seiner Häuser, wird der Besucher in eine kostspielig angelegte Touristenbucht geführt, die zur Information und zum Fotomachen einladen soll.
Die umliegende Landschaft erscheint tatsächlich durch eine Bergkette, die sich aus dem
sonst flachen Boden hebt, besonders.
Alle möglichen Blickwinkel, aus der man Fotos machen könnte, sind jedoch von Strommasten und anderen Objekten verstellt.
So wenig, könnte man sagen, zählt unbeeinflusste Natur, oder, so gleichberechtigt sind menschliche Errungenschaften.
Die Informationen, so angekündigt, kommen vom lokalen Aborigine-Stamm. Sie setzen sich aus zwei Straßentafeln zusammen, von der die eine, für Touristen brauchbare Werbeinformationen vermittelt, während
die andere den Straßenverlauf bekannt gibt.
Die Hauptstraße – auf beiden Seiten von den anliegenden Geschäften gesäumt – war von Stammesangehörigen dominiert.
Vor dem lokalen Supermarkt eine große Gruppe der Schwarzen Menschen, die sich auch in praller Sonne ungeschützt bewegen können, im Austausch. Diese Szene zeigte mir, zum ersten Mal, den, über allem stehenden, sozialen Aspekt der Gemeinschaft. Ich
meine, für mich zum ersten Mal in vierzig Jahren, sah ich eine Stammeskommune im regen Austausch miteinander.
In keinem anderen Bundesland wie in diesem (Nothern-Territory), sind mir die Bevölkerungsgruppe der Ureinwohner bisher so vielzählig begegnet.
Dennoch sind die schwarzen Ureinwohner natürlich tief in den Einfluss zivilisierter Lebensrhythmen gerutscht. Das wurde überdeutlich, als ich junge Frauen
mit schwer klingenden Motoren ausgerüstet die Straße hinunter rauschen sah.
Der IGA Supermarkt (in Aborigine Besitz und geführt) war dunkel gehalten und eher staubig. An den Kassen fand ich Stammesmitglieder beschäftigt. Das war mir so noch nirgends anders begegnet.
Zwischen den dunklen Warengängen begegneten mir wiederholt und vorwiegend die
Ureinwohner dieses Wüstenlandes. Da satte 29°C draußen vorherrschten, waren die meisten Männer in kurzen Hosen gekleidet.
Am linken Bein eines jungen Mannes erkannte ich eine Fußfessel. Das ist ein elektronisches Gerät Mittels dem die Polizei eine gewisse Kontrolle über den Träger hält. Er kann zum Beispiel den Bereich der Ortschaft nicht verlassen ohne Alarm auszulösen.
Das war, für mich, die erste Befremdliche
Feststellung. Ähnliches hatte ich noch nie vorher gesehen, auch bei weißen Australiern nicht.
Mein Besuch beim Bottle-Shop next door, welcher Alkohol getrennt von anderen Waren anbietet, war mit ähnlichen Eindrücken besetzt.
Ich betrat den Shop, wie es eben einem älteren Herren zusteht ,und wurde sogleich von einer jungen Frau in Uniform nach meinem Ausweis gefragt.
Denselben musste ich dann beim
Bezahlen an der Kasse nochmals produzieren. Zudem musste ich mitteilen wo ich denn gedachte die Nacht zu verbringen.
Sodann wurde mir mitgeteilt, dass ich 6 x 375 ml Bier und eine Flasche Rotwein nicht zusammen kaufen könnte. Ich musste mich für eines von beiden entscheiden, durfte dann aber eine zweite Flasche Rotwein kaufen als Ersatz für das Bier.
Beim Hinausgehen lief ich an einer Schlange Aborigines vorbei,
die alle auf ihren geprüften Einlass warteten.
Das „wilde Campen“ ist im Allgemeinen nicht gern gesehen und gesetzlich verboten. Nachdem ich also um etwa 17:30 bei einem Caravan Park versucht hatte Einlass zu finden, machte ich mich kurz vor Dunkelwerden zurück auf die Straße, das Registrierungsbüro des Parks, war bereits geschlossen.
Kurz vor Dunkelwerden fand ich einen Platz unweit der Landstraße, auf dem der
schwarze Fleck eines ehemaliges Lagerfeuers am nahe gelegenen, trockenen Bachufer einlud.
Das Gespann eben geparkt war es dann auch schon Zeit zu kochen und die Nacht vorzubereiten.
Am nächsten Morgen erblickte ich die Wirklichkeit meines Aufenthalt-Ortes mit großen Augen.
Was wie eine ehemalige Feuerstelle ausgesehen hatte, war der schwarze Fleck eines Ölwechsels, dessen Filter und Frischöl-Kanister neben anderem Müll die Gegend verschmutzte.
Im Wissen, dass ich noch ein paar Geschäftsgänge in Tennent-Creek zu erledigen hatte, machte ich mich nach umfangreicher Müllsammel-Aktion frühzeitig auf den Weg in die schon beschriebene Stadt.
Als erstes hatte ich meine Wäsche zu erledigen. Laundromates, das sind öffentliche Wasch- und Trockenmaschinen sind hier in fast jedem Ort zu finden. Das vorhandene Angebot
entpuppte sich als alt und schmutzig. Tatsächlich lagen Zigarettenstummel und Essensreste direkt im Eingang.
Den Großteil meiner Wäsche-Wartezeit verbrachte ich im lokalen Op-shop, wo ich im Allgemeinen meinen Lesestoff beziehe. Bisher war das Angebot immer noch außergewöhnlich. In Australien liest man viel!
Dann gings zurück in meinen Wohnwagen, in dem
ich eine Tasse Tee genoss mit direktem Blick auf die Straße vor der Wäscherei.
Kleine, bis sehr große Gruppen von Aborigines waren unterwegs. Die Jüngsten unter ihnen bettelten mich für Geld an.
Dann besuchte ich ein Werkzeuggeschäft in welchem ich meinen Gasvorrat auffrischte. Als ich zwischenzeitlich wieder zu meinem Wagen musste, standen zwei Polizeifahrzeuge mit Käfigen auf der Ladefläche vor dem
Gebäude.
So also geht man mit den Ureinwohnern um.
Sie erfahren die Vormundschaft des vorwiegend weiß geführten Staates und tun sich schwer, dessen Gesetzgebung zu akzeptieren.
Ich würde sagen, bis auf die bestehenden Landrechte, welche von Stammesmitgliedern mit guter Ausbildung durchgesetzt wurden, haben sie nichts. Sie wissen nicht, wo sie hingehören und haben in der ihnen auferlegten
Konsumgesellschaft kaum Orientierung.
Um das „tägliche Brot“, miete, Eigentum usw. zu managen werden sie vom Staat entlohnt und sich selbst überlassen.
Die Frage für uns ist also: „Woran orientieren wir uns?“
Natürlich kamen wir aus keiner Traumzeit. Oder zumindest liegt diese schon viele Jahre zurück. Wir sind, an unserem Verhalten
erkennbar, mehr oder weniger angepasst, und bemüht mit der vorherrschenden Gesetzgebung zurechtzukommen.
Was jedoch könnte es sein, was uns aus diesem Gleichmachungsprozess befreite!? Oder sind wir Großteils nach wie vor Hörige des Systems?
Viele von uns jedoch wissen inzwischen, dass nicht das vom Menschen gemachte System unser Leben ausmacht, sondern dass es eine Energiequelle ist, die weit über unseren bisherigen
Wahrnehmungsbereich hinausgeht.
Wir wollen also mehr vom Leben, mehr wahrnehmen, um begeistert zu sein von dem, was das Leben selbst ausmacht!
Und genau an diesem Punkt sind wir von dem Dilemma der Ureinwohner Australiens gar nicht so weit entfernt.
Ich mein, wir führen offene Kriege mit hochmodernen Waffensystemen und akzeptieren das als „normal“. Immerhin beherrscht es Tag für Tag unsere Nachrichten. Wir
akzeptieren zwangläufig eine Welt, in der die Zerstörung eine tägliche Rolle spielt.
Und hier möchte ich an Dich ganz persönlich appellieren den gegenwärtigen Bezug zum Leben selbst zu aktivieren! Dasselbe – so bin ich überzeugt – würde auch den Aborigines zu einer fortschreitend positiven Entwicklung verhelfen.
Du erwachst täglich, den nagelneuen
Atemzug bereits unter der Nase. Und während sich Gedanken an den Tagesablauf einschalten, verlierst Du bereits diese erste Aufforderung die Einmaligkeit Deiner Existenz wertzuschätzen. Das muss sich ändern!
Beginnen wir jetzt!
Tatsächlich sind es die kleinen Momente, die in Bruchteilen von Sekunden unsere Aufmerksamkeit in die Alltäglichkeit unseres Lebens
rauschen lassen.
Stattdessen solltest Du eine Routine entwickeln, mit der Du Dir die Angewohnheit erarbeitest, den ersten Kontakt zu Dir selbst bereits mit dem ersten bewusst genommenen Atem am Morgen zu erkennen.
Die Folgen sind phänomenal!
Wahrscheinlich sind Dir die beworbenen Wirkungen verschiedenster täglich konsumierter Mittel auf Youtube
nichts Neues.
Sicher aber ist, dass Dein eigener Einfluss auf Deinen täglichen Tagesanfang eine maßgebliche Wirkung auf den Rest Deines Tages haben wird.
Verschwende also keine Zeit, sondern beginne noch heute Deinen positiven Beitrag zur Reise Deiner ewigen Seele zu bewirken.
Der entscheidenden Augenblick, ist immer Jetzt!