Der Kratersee eines Vulkans hoch in den Bergen der Great Dividing Range gelegen zeigt klares, durchsichtiges Wasser und ist nur ganze vier Meter tief. Da er keinen Zulauf kennt, existiert er allein vom regelmäßig fallenden Regen.
Die Möglichkeit der freien WahlLiebe/r Nachdem ich bei 28°C im tropischen Cairns meine Küchenarbeiten erledigte, erinnerte ich mich an den Aufenthalt bei meiner Tochter Eva, die im nun wesentlich kühleren Süden auf ihren zirka 300 Hektar Weideland und Wald ihre Kinder ins Leben
führt. Damals ging es um den Lebensverlust eines befreundeten Ehepaars, deren außergewöhnliche Geschichte im Fernsehen übertragen wurde. Sie waren mit ihren beiden Kindern zu einer Ferientour in den Norden von Cairns gefahren, um dort, wie ich, den Daintree National Park zu besichtigen. Der Park, oder besser gesagt, dieser riesige, sich über viele Quadratkilometer erstreckende Regenwald, ist nach Forschungserkenntnissen der älteste Regenwald der
Erde und beherbergt neben gigantisch, altgewachsenen Baumriesen, alle Vielfalt an Leben, die einst den ganzen Erdball bevölkerten. Zu dieser Vielfalt gehören unter anderem auch die großen Krokodile, die zwar ans Wasser, und eine angehobene Temperatur gebunden, aber nun im Winter auch oft am Ufer liegend zu sehen sind. Es handelt sich um eine Specie die direkt zu den Dinosauriern zu rechnen ist, sich aber in ihrer natürlichen Nische so halten konnte, dass sie die letzten
200-300 Millionen Jahre fast unverändert überdauerten. Um nun auf die Bekannten meiner Tochter zurückzukommen, die ja auf eine tropische Exkursion in den Norden Australiens gekommen waren, fügte sich ihnen ein ganz besonderes Schicksal an. Sie waren allein, ohne ihre beiden Kinder, auf einer Wandertour unterwegs, als sie am steilen Ufer eines Flusses von einem plötzlichen Erdrutsch in die Tiefe gezogen wurden. Unaufhaltsam endeten sie im Wasser des
Flusses und somit im direkten Zugriff einiger Krokodile die sich dort aufhielten. Es gab keine Rettung! Ihr Leben war besiegelt, und sie endeten, wie einige tollkühne Touristen hier, in den Mägen dieser fleischfressenden Urtiere. Meiner Tochter Eva, war der Schock über diese Nachricht in ihr kreidebleiches Gesicht geschrieben, und selbst ich, der ich ja die Betroffenen nicht kannte, fühlte besonders für die zurückgelassenen Kinder des Ehepaars. Betrachtet man
dieses Ereignis aus den Augen des Normalverbrauchers, so wird überdeutlich wie sehr wir am Leben hängen und eine übergeordnete Quelle aller Existenz, wenn überhaupt, nur aus beiläufigem Blickwinkel integrieren. Rein statistisch muss natürlich erwähnt sein, dass unvergleichlich viele Opfer mehr dem Straßenverkehr zugeschrieben werden müssen, als eine Erwähnung eines solchen Todes rechtfertigt. Gewissermaßen bekam dieses Ehepaar "eine besondere Aufmerksamkeit" in der Art diesen Planeten zu
verlassen.
Der "alt" gewachsene Baumbestand am Rande des Kratersees zeigt überdeutlich mit welcher Resiljenz auch die pflanzliche Natur ihrer Entfaltung entgegenstrebt. Wir sollten niemals vergessen, dass hinter all dem ein "kosmisches Muster" seine Strukturen entfaltet, welches in unermesslichen Zeiträumen auch uns hervorbrachte.
Du merkst wahrscheinlich schon worauf ich hinaus will. Es ist das wahre Verstehen dessen, was wir einmal geschenkt bekommen, nicht wieder loslassen wollen. Das Leben! Die beiden Qualität verleihenden Ereignisse des Lebens, auf deren Grundlagen der gesamte Lebensablauf beruht, bezeichnen unsere Geburt und den unvermeidlichen, körperlichen Tod. Wohlgemerkt, kommen und gehen wir, aus
und in etwas, was schon, deutlich am Leben unserer Ahnen zu erkennen, vor unserem Leben existierte, und während unserer Existenz (ein lateinisches Wort vom Wortstamm "Existencia"= Dasein) eine gültige, und wesentliche Aussage über die Beschaffenheit des Lebens macht. Die Grundlage dessen was uns dazu veranlasst eine Identität anzunehmen, der Körper, ist vergänglich! Seine Vergänglichkeit sollte, wenn es denn um eine echte Lebensaussage gehen sollte, jede einzelne
Entscheidung beeinflussen. Und zwar sollte diese Entscheidung so ausgerichtet sein, dass das, was über das Leben hinaus existiert, also dem "Ursprung" entspricht, dient. Immerhin geht es hier um die Erfüllung unseres Lebens, welche uns schon sehr früh, deutlich zeigt was wir mögen und warum.
Hier nochmal der schier unglaubliche Trieb der Wurzel eines Baumes, Hindernisse zu umgehen, um den nahrungsführenden Boden zu erreichen. Fast scheint die Wurzel unangemessen für den (hier nicht sichtbaren) jungen Baum.
Der Wunsch nach Sicherheit unsere Familie gut behütet zu sehen, mit Nahrung und Obdach versorgt, liegt tief in einem jedem von uns. Dazu kommt die Freude, Freiheit und Erfüllung eines glücklichen Daseins, dessen Grundlagen darauf beruht in Frieden und Freiheit eine tiefgreifende Liebe zu leben. All diese Attribute ins Leben zu rufen, ist die Aufgabe eines jeden von uns, während wir die Zeit zwischen
den Ereignissen der Geburt und des Todes, als Erfahrungsmöglichkeit nutzen. Wie schon früher erwähnt enthält der Augenblick des Lebens seine erfahrbare Substanz immer im Jetzt. Das Jetzt hat insofern eine zeitlose Existenz, während unsere persönliche Geschichte und deren Projektion in die Zukunft eine Persönlichkeit erzeugt, deren Entwicklung an einen problematischen Leidensweg gebunden ist. Dieser hat zwar für den menschlichen Bereich eine
gewisse Legitimität, immerhin gehören wir zur menschlichen Rasse, ist aber, was die erwähnten Ziele eines idealen Lebens betreffen, das Hindernis, welches es zu überwinden gilt!
Und noch einmal! Die bedingungslose Bereitschaft der "Strangler Fig" am Leben teilzuhaben, ist immer wieder erstaunlich. Sie ist ein Ausdruck unseres eigenen Lebenswillens, und zeigt den kompromislosen Willen, selbst den ursprünglichen Halt durch den Kletterbaum zu opfern, um den eigenen Ausdruck voll zu entfalten. Leben braucht Leben, um in immer neuen Formen seine unermessliche Vielfalt zu
zeigen.
Keine Erfahrung, kein Hören, keine Sehen, kein Fühlen, Schmecken oder Ahnen, ohne die durchdringende Gegenwart des Wissens. Wir wissen, dass wir die Erfahrung machen, noch während sie stattfindet. Nicht die Gegenwart, bzw. das Bewusstsein ihrer, ist in uns, sondern wir sind in der Gegenwart, wir sind in dem Bewusstsein. Das bewusste Sein ist überall gleichzeitig, bringt alles
hervor - einschließlich uns - und dient der gesamten Erscheinung der Welt als Grundlage. Ohne diese Grundlage, währen wir nicht in der Lage überhaupt eine Erfahrung zu verzeichnen. Unsere Sinne sind also wertlos, wenn sie nicht auf der Basis des Wissens beruhen. Dieses Wissen ist natürlich keineswegs substanziell, oder muss es zumindest nicht sein, sondern es beruht auf dem Bereich, den wir aufgrund der eingeschränkten Deutungsfähigkeit unserer Sprache nicht
in der Lage sind zu artikulieren. Die Frage also ist, wie wir - wie Du, dieses Bewusstheit zur täglichen Erfüllung Deiner Lebensaufgabe einsetzen kannst? Um sie beantworten zu können, sollte klar sein, dass die sogenannte Persönlichkeit, also die Identität unserer geschichtlichen Herkunft und deren Projektion in die Zukunft nur sehr bedingt, wenn überhaupt, zur Erfüllung unserer angeborenen Ziele, wie Liebe, Freiheit, Frieden und Erfüllung, führen
kann. Stattdessen geht es darum, die Grundlage einer jeden Erfahrung die wir machen, ins Licht der Gegenwart zu bringen.
Vögel der Urwaldes auf dem tropischen Friedhof von Cairns. Sie machen keinen Unterschied, sehen keine "beendete Geschichte", sondern sind was sie sind, und halten sich dort auf, wo sie am leichtesten das Überlebensnotwendige finden.
Das bewusste Sein also, was jeder Erfahrung einen Wert verleiht, muss erkannt und so in das gewünschte Licht der Gegenwart gerückt werden! Und nun die berechtigte Frage nach dem Resultat dieser durchaus ernergieaufwendigen Übung: Nachdem wir anhaltend, nicht nur intellektuell verstanden haben, warum wir dem bewussten Sein während einer Erfahrung Aufmerksamkeit schenken, stellt sich die
natürlich liebevolle Beziehung zu diesem, uns zugrunde liegenden Bewusstsein ein. Die damit verbundene Erfahrung zeigt uns deutlich, dass dieses Bewusstsein tatsächlich überall gleichzeitig ist und somit die Grundlage aller Existenz bildet. Es ist das verbindende Element, welches uns ermöglicht zu erkennen, dass wir keineswegs vom Außen, von Anderen oder Anderem getrennt sind, und löst damit die Konfliktbereitschaft unseres Lebens. Wir brauchen uns nicht mehr
zu behaupten, weil wir erkennen, dass wir alles sind. Die Sicherheit und Ruhe, welche sich aus dieser Erfahrung ergibt strahlt in einen jeden Tag unseres Leben. Unsere Beziehung zu anderen und zu dem, was wir an Lebensereignissen zu erledigen haben, ist von nun an erfüllt mit dem Sinn des Lebens selbst. Ebenso schwindet die aufoktruierte Angst vorm scheinbaren Verlust unserer Identität durch den körperlichen Tod, da wir erkennen, dass das, was als Grundlage einer Erfahrung der
Existenz überhaupt dient, niemals weniger wird oder gar verschwindet. Ja, der selbsterleuchtende Bereich des Bewusstseins selbst geht weit über unsere Möglichkeiten es intellektuell zu begreifen hinaus. Gerade während unseres so notwendig, regenerierenden Tiefschlafs, kommt das reine Bewusstsein zur uneingeschränkten Wahrnehmung seiner selbst. Bis wir also dort sind, wo wir uns selbst vorwiegend mit ihm identifizieren, mag ein langer Weg vor uns liegen. Wer
weiß!? Wissen jedoch, dass wir schon jetzt Eigentümer dieses Wissens sind - selbst dann, wenn wir es noch nicht realisiert haben - dürfen wir uneingeschränkt, und berufen uns damit auf die Verwirklichung der Attribute des Lebens, die uns allen so wichtig sind!
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Mit herzlichen Grüßen aus dem tropischen Norden Australiens
Euer Richard C Rickert
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