Das Natur-Reservat darf zwar von Rindern zum Grasen genutzt werden, ist aber ansonsten unberührt, die Luft ist klar und die Nächte über ihm zeigen einen unvergesslichen Sternenhimmel
Entwicklung durch Erkenntnis Liebe/r Emerald präsentiert sich als wachsende Stadt im östlichen Bereich von Zentral Queensland. Sie hat, neben den vielen, durch intensive Landwirtschaft, wachsenden Geschäften einen Botanischen
Garten und zeigt damit ihre Wertschätzung für die psychische Gesundheit ihrer Bevölkerung. Ein kleines Naturreservat, welches vom Staat Queensland als Weideland für Rinder kommerzielle Verwendung findet, liegt ansonsten unberührt am Rande der Stadt. Nachdem meine Bereitschaft den illegalen Weg der Nutzung dieses Reservats, für meine persönlichen Zwecke als Reisender, mit einem spontanen Abbruch der Aufbauroutine und einem dem folgenden Rückzug endete, machte ich einen
zweiten Ansatz die Legitimität für "Wildes Camping" zu bekommen. Meine, nicht geringe Bemühung, den Farmer mit Nutzungsrechten für das Reservat zu treffen, endete mit der Auskunft eine Anliegers, dass ähnliche Natur-Reservate der Gegend weitläufig Nutzung durch Wohnwagen-Reisende findet. Das nahm mir alle Vorbehalte und ich suchte mir ein passendes Plätzchen im Reservat. Jetzt stehe ich, von Natur umgeben, mitten in diesem Waldgebiet, welches, an der Beschaffenheit
des Bodens ablesbar, sich in nassen Zeiten in einen Sumpf verwandelt. Das angrenzende Flussbett, das, wie die meisten hier periodisch Wasser führenden Flüsse, den größeren Anteil des Jahres trocken liegt, tritt in der Regenzeit großflächig über die Ufer und bringt damit dem, um lebensnotwendiges Wasser ringenden Wald, die nötige Lebensgrundlage. Tatsächlich finde ich gegenwärtig ein Land, dessen Boden regelmäßig offen und staubig der erbarmungslosen Sonne ausgesetzt ist, mit
Gräsern bedeckt, die den großen Känguruhs als Nahrungsquelle für die kommende Trockenperiode dienen.
Das Land hier präsentiert sich reich an Nahrung für grasende Tiere, wird aber schon bald als Folge kommender Trockenheit die staubige Blöße des nackten Bodens zeigen, um dann, wenn die Regenzeit zurück ist zum Sumpf zu werden.
Es ist still hier! Mehrere Tage, in einem zwar mit alten Bäumen gezierten, aber am Capricorn Highway gelegenen Campground, ließen sich für mich nur mit verstopften Ohren überstehen, so sensibel präsentierte sich mein Nervenkostüm. Ich weiß, dass wird für einige meiner Leser schon fast krankhaft klingen, aber Du weißt ja, "Jeder nach seiner Fasson". Wir sind halt alle anders, und doch zeigen wir
prinzipiell die gleichen Bedürfnisse wenn es um eine erweiterte Erfüllung unseres Lebens geht. Wir alle wollen und brauchen liebevolle Zuwendung, das Gefühl frei zu sein, und den Frieden das Glück zu Leben in vollen Zügen zu genießen. All das, wird gegenwärtig in Frage gestellt! Ein drohender Weltkrieg und die damit verbundenen wirtschaftlichen Einschränkungen ermahnen uns maßgeblich endlich zu erwachen. Auch ich genieße die Vorzüge von Solarpanelen, mit
denen ich Strom erzeugen kann, um Dir zu schreiben. Es wäre mir also fremd, die Errungenschaften unserer Entwicklung abzulehnen. Wir alle, so scheint mir, sind Kinder einer modernen Gesellschaft. Um so schwerwiegender klingt die Drohung, ein als Feind erklärtes Volk zurück in die Steinzeit bombardieren zu wollen. Und wenn es tatsächlich legitimen Anlass gibt anzunehmen, dass dieses Volk Waffen anstrebt, die aus idiologischen Gründen zur Vernichtung anders
denkender Einsatz finden könnten, so mag zwar ein Ultimatum zur Einigung ausgesprochen werden müssen, die vorsichtige Veränderung der Voraussetzungen jedoch muss immer auf der Seite beginnen, welche die größere Weitsicht entwickelt hat. Wir alle wissen das, und trotzdem greifen wir seit Jahrtausenden zu Gewalt, um andere zu bezwingen!
Der ausgeschlafene Blick aus dem Fenster erinnert mich wo ich bin. Zwar muss ich mich durch einen Elektrozaun vor den grasenden Rindern schützen, das Umfeld jedoch lässt mich die unberührte Schönheit des Natur-Reservats nicht vergessen.
Warum das so ist, und wie wir das langfristig ändern können, soll meinen Beweggrund zu schreiben zusammenfassen. Du weißt natürlich längst worauf ich hinaus will! Es ist, und bleibt die Psychologie des Menschen, die uns zu dem veranlasst was wir ausführen. Wir lieben, unserer Natur entsprechend, das Spiel der Rollen. Da sind wir Vater oder Mutter und mit der Aufzucht unserer Kinder
betraut. Da sind wir Professionelle in unserem Beruf und herausgefordert anderen zu beweisen, das wir unseren Kenntnisbereich beherrschen. Da sind wir Verkehrsteilnehmer, mit der Verantwortung betraut, nicht nur uns selbst heil nach Hause zu bringen, sondern sicher zu stellen, das jeder andere Teilnehmer ebenfalls ein reibungsloses Erlebnis hat. Wir sind also nicht nur eine individuelle Persönlichkeit der Spezies Mensch, sondern mit einer Veranlagung
ausgestattet, die allen und allem anderen gleichzeitig dient. Bemerkenswerter Weise, teilen wir ja durchweg die gleichen Bedürfnisse nach Liebe, Frieden, Freiheit und Freude. So simpel und einfach das zu erfassen scheint, so weit ist es gleichzeitig entfernt, wenn wir es mit einem scheinbaren Widersacher zu tun haben. Woran liegt das!? Das die Grundlagen des Lebens größer sein müssen, als wir es in der Lage sind zu erfassen, müsste uns eigentlich
alle erreichen! So einflussreich sollte diese Erkenntnis sein, dass wir prinzipiell verstehen sollten, dass die Erscheinung unserer Welt, und damit die Erscheinung all dessen was zu ihr gehört, einschließlich uns selbst, vergänglich ist. Während eine entscheidende Grundeigenschaft der menschlichen Existenz hier offensichtlich wird, nämlich die Vergänglichkeit unserer körperlichen Erscheinung, stoßen wir parallel an die Grundeigenschaft, welche uns, über den Einsatz von
Gedanken, zum Erkennen größerer Zusammenhänge befähigt, dem bewussten Sein. Im letzten Brief an Dich, wies ich auf den meisterhaften Hinweis Jesu Christi hin, das der Vater (der Grund unserer Existenz) durch eine Bewegung und eine Ruhe in uns wahrnehmbar wird. Die Bewegung ist der Atem und die Ruhe der gedankenlose Raum zwischen den Atemzügen.
Mitten in einem australischen Dorf öffnet sich großflächig ein Camp-Ground auf dem Reisende kostenfrei für Tage stehen dürfen. Allein diese Großzügigkeit der Australier ist bemerkenswert und immer wieder willkommen.
Vielleicht wirst Du Dich fragen, was all das mit unserem Verhalten in der Welt zu tun haben soll? Mir scheint es, als wäre das der einzige Bereich, sowohl der Selbsterkenntnis, als auch der zwischenmenschlichen Beziehung, den wir als Menschheit, und als Individuum, noch nicht vollends umgesetzt haben. Erst durch die selbst verwirklichende Gegenwart des Grundes unserer
eigenen Existenz, kommen wir in die Lage, die Verbindung zu unserem Gegenüber zu erkennen. In der Bemühung jedoch, unserem eigenen Rollenspiel gerecht zu werden - immerhin sind die Ziele dieses Rollenspiels ja meist nicht von geringer Bedeutung - sind wir meist so abgelenkt, dass eine bewusste Nähe zu uns selbst und anderen nur bedingt möglich wird. Wie alles, was wir in der Ausführung beherrschen wollen, ist natürlich auch die Fähigkeit des Bewusstseins eine, die es zu
erlernen gilt. Allein durch die Feststellung, dass sie der Wahrheit entspricht, erringen wir keinerlei Sicherheit in ihrer Ausführung. Weder wir selbst, noch andere werden also von diesem Wissen profitieren, solange wir nicht bereit sind unser Wissen zu praktizieren. Geben wir also unserem eigenen Bestreben zur Selbsterkenntnis die notwendige Aufmerksamkeit. Integrierte Minuten der aufmerksamen Gegenwart, verhelfen uns langfristig zu den, so
sehr erwünschten Grundlagen, eines friedenreichen Lebens. Viel Freude beim Praktizieren!
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Mit herzlichen Grüßen aus Queensland
Richard C Rickert
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