Die Villa meiner Großmutter war uns Elternhaus und Spielplatz für eine unbeschwerte Jugend.
Es war einmal... Liebe/r Die Villa meiner Großmutter diente mir, meinen sieben Geschwistern und unseren Eltern,
mit ihren vielen Zimmern und einem Hektar Garten großzügig. Wir waren frei und teilten diese Freiheit mit den Kindern der Nachbarschaft. Dann kam die Trennung. Für vier ganze Jahre wurden drei von uns auf ein Internat geschickt. Zum Glück war es eine Walldorfschule. Eine solche also, die, von der Gesellschaft abnorme Ideen pflanzt und mit dem Weitblick der Natur auf deren Keimung und Wachstum warten kann. Ich lernte meinen Namen und noch so manch andere
Klänge tanzen. Der praktische Bezug zum täglichen Leben - wir lernten nähen, stricken und gärtnern - war für mich wie eine Aufforderung. Ich durfte Selbstständig werden. Natürlich lag meine Aufmerksamkeit dem jugendlichen Alter (9-13) entsprechend mehr bei den Altersgenossen und vor allem bei den Mädchen, dennoch nahm ich sehr wohl wahr, dass der Direktor der Schule Dr. Fintelmann, sich mit einem stetigen Lächeln im Gesicht zeigte. Damals war das auffällig. Wir Schüler nahmen ihn so,
zwar mit Respekt, aber doch als einen von uns wahr. Er trug etwas nach außen, was selbst den meisten anderen Lehrern fehlte.
Der ganze Stolz unserer Eltern. Alle Acht an der Wand und auf dem Sofa.
So eindrücklich war seine Erscheinung, das sie mir, nebst manchen anderen, lebhaft in Erinnerung blieb. Schon damals, als Kind fragte ich mich, was es denn war, was ihn durch sein Lächeln so von den anderen Erwachsenen unterschied. Zwischenzeitlich führte meine Entwicklung mich durchaus auch durch die dunklen Tiefen eines werdenden Menschen, der sich, es war die Zeit dicken, schwarzen Kohlestaubs im
Ruhrgebiet, in einer Umgebung zurechtzufinden hatte, welche, gerade noch dem großen Krieg entronnen, eine Selbstfindung unter schwersten Umständen zu vollziehen hatte. Da hieß es: "Lachs mi an, oder lachs mi aus, Alter? I hau Dir gleich was auf die Fresse!" Für einen Jungen vom Lande, eine Umgangssprache an die ich mich zu gewöhnen hatte. Ich saß dann oft mit dem Blick aus dem Schlussfenster der Bimmelbahn die zwischen Borken/Westf. und Wanne-Eickel lief und spielte wehmütige
Lieder auf meiner Mundharmonika! Von damals also bis zum Heute, was mich in einer Umgebung erwachen lässt, die mir den Tag mit exotischem Vogelgesang einläutet. Dankbarkeit dafür zu finden, ist nicht schwer, wie Du Dir denken kannst.
Die neblige, oft Schmerz verhangene Jugend findet durch frische Wasserläufe in Mitten vom grünen Djungel Auflösung.
Dabei streifen meine Gedanken noch heute oft das Lächeln des Dr. Fintelmann, und damit den Tragenden Grund für unser menschliches Sein. Im Englischen bezeichnet man den Menschen als "human being", also "menschliches Sein", welches im Vergleich seine Bedeutung klar herausstellt. Im Gegensatz zum "human doing" (menschliches tun), ist das "human being" (menschliche Sein), von wesentlich größerer Konsequenz
für uns. Während wir, unserer aktiven Natur entsprechend, schon bald im Leben das Sein ablegen und uns dafür das Tun aneignen, bleibt das Sein zwar ein notwendiger Hintergrund unseres Selbstverständnisses, jedoch vergessen wir den bewussten Bezug dazu zu pflegen. Dabei liegt die Pflege unserem natürlichen Verhalten durchaus nahe. Die, von uns, die ein gesundes Leben führen, verbringen tatsächlich einen größeren Teil ihrer Lebenszeit im Tiefschlaf - welcher direkten
Nutzen aus unserem Grundzustand zieht - als im aktionsgebundenen Wachzustand. Der Tiefschlaf ist eine Phase unseres Schlafens, in welcher alle Funktionen unseres Körpers auf Null gefahren werden, sich regenerieren und somit auf einen neuen Tag optimal vorbereitet sind. Wer mehr will vom Leben schläft möglichst regelmäßig tief und lernt diesen Zustand auch tagsüber bewusst zu erreichen. Die Fähigkeit in diesen Zustand bewusst einzutauchen, lässt uns
in Kontakt treten mit dem was wir schon immer waren und, mit größter Wahrscheinlichkeit, auch immer sein werden. Der Zustand "reinen Bewusstseins" ohne Referenz zu den Dingen des Lebens - also ohne Gedanken oder Träume - erhebt unseren Gesamtzustand über die uns umgebende Welt, und vermittelt uns - ohne Worte, ohne Bezug zu den vermeidlichen Realitäten unseres Lebens - die Grundattribute menschlichen Lebens.
Die Stille des Bewusstseins kann man auch im Liegen genießen!
Sobald wir über uns selbst hinaus andere betrachten, wird uns auffallen, dass alle im Grunde nach den gleichen Erfahrungen streben. Wir sind, unserem Charakter entsprechend zwar der ein oder anderen Methode zugeneigt, befriedigt jedoch nur, wenn das Ergebnis mindestens eines dieser Attribute für uns zum Klingen bringt. So ist die zahlensüchtige Geschäftsperson darum bemüht, durch stetig anwachsenden
Besitz eine zunehmend große Sicherheit zu erreichen. Die Sicherheit vermittelt im Gegenzug Ruhe, Frieden und Freiheit (alle drei Attribute der Seele). Das die genannten Attribute niemals das Leben einer Geschäftsperson ganz ausfüllen, wissen wir alle. Sie wird nach abgeschlossenem Geschäft gleich zum nächsten aufbrechen, weil die gewonnene Summe niemals dazu ausreicht, das oft unbewusste, Streben nach diesen Attributen ganz zu befriedigen. Unser Grundzustand,
das "human being", das menschliche Sein, jedoch birgt in sich eine schutzgebende Sicherheit, die auf verlässlichen Grundlagen beruht. Lernen wir es, uns diese zu Nutze zu machen, lassen wir uns auf die innere Reise der Seele ein und finden das, was alles im Leben zu Einem zusammenführt. Wir erscheinen zwar als Individuen, sind darüber hinaus jedoch mit diesem einen Ursprung nahtlos verbunden. Diese Grundlage im täglichen Leben zu erfahren, bedeutet die Erfüllung von:
Frieden, Freiheit, Glück und Liebe, zuzulassen. Mit diesen Grund-Attributen als Kondition, werden all unsere Aktionen erfolgreich! Erfolgreich nicht unbedingt im Sinne des persönlichen Strebens, aber unbedingt erfolgreich, die Entwicklung unserer Seele betreffend!
Dieser Wasserlauf zeigte Spuren wilder Überschwemmungen. Wenn es gießt heißt es in Queensland "Vorsicht". Straßen, auf denen mir auch bei klarem Wetter niemand begegnet, werden gesperrt, weil das Wasser wild über die Straße schießt.
Dazu möchte ich hier noch Folgendes anhängen: Es gibt zwei Ereignisse im Leben, die entscheidenden Einfluss auf all unsere Entscheidungen haben sollten: Unsere Geburt, und der Verlust unseres Körpers. Ich spreche beim Letzteren ganz bewusst nicht vom Tod, weil es diesen, unsere eigentliche Identität betreffend, nicht gibt. Was sagen uns diese beiden Ereignisse über unser Leben? Wir kommen und gehen! Das ist im
Grunde auch schon die wesentlichste Aussage. Die Aussage, welche angewandt auf die verschiedensten Problemlösungen die im Leben benötigt werden, einen entscheidenden Einfluss haben sollten, um durchweg positive Ergebnisse zu erzielen.
So schaut wohl ein Junge drein, der mit den offiziellen Beschreibungen der Welt noch immer wenig anzufangen wußte, aber schon darüber klar war, dass es einen eigenen Weg geben musste.
Die eigentliche Illusion liegt tatsächlich darin, dass wir handeln als wenn wir die Form des Körpers, und damit unsere Identität als Person ewig behalten würden. Dabei ist das Loslassen von diesen illusionären Bezügen keineswegs ein Verlust, sondern ermöglicht es uns den Grundzustand von Frieden, Freiheit, Freude und Liebe kontinuierlich zu genießen. Wir sind tatsächlich viel größer als ein Körper das
jemals zulassen könnte!
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Mit herzlichen Grüßen aus Queensland-Australia
Richard C Rickert
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