Reise in die Wüste, Liebe/r Gleich der erste Stopp am Bogan River Weir in Nyngan brachte mich zurück auf alte Pfade. In den „wilden“, oder besser unbewohnten Westen führen nur wenige Straßen. Oft sind sie über hunderte von Kilometern nur mit Schotter bedeckt, und das sind die
Besseren „Dirt Roads“ unter ihnen. Und werden sie nass, dass ruft man besser die zuständige Behörde an, um zu erfahren, ob man sie befahren darf oder nicht. Ein „trotzdem“ Befahren steht unter hohen Strafen, so teuer wird die Reparatur einer Straße. Aber natürlich, „wild“ ist der Westen auch, denn die, welche dort überleben wollen, sind oft Menschen, die man besser in Ruhe lässt, oder zumindest nicht aus der Fassung bringt, sondern das Leben mit ihnen
feiert. Aber wer lässt sich schon von einem ungebundenen Rentner aus der Fassung bringen? Einen der wenigen Highways zu fahren ist also für mich nicht unbedingt angesagt. Ständig kommen einem die Wohnwagen entgegen, die man sonst nur in Wohnwagenparks, oft unmittelbar an den Hauptverkehrsstraßen sieht. Aber klar, man trifft trotz alledem auch Menschen, die schon überall waren, die Wüste lieben und gute Tipps geben mit denen man sicher weiterreisen kann.
So erzählte mir Luise hautnah von der Notwendigkeit des Wassers, dass wenige gern teilen und für welches man Vorsorge zu tragen hat. Treibstoff sollte man dort kaufen, wo es ihn gibt, ungebunden der Preise und wenn das Wasser dann aus Kannen von oben kommt, bedeutet es unter Umständen, dass es kein Weiterkommen mehr gibt. Es bleibt spannend!
Die vergangenen Tage und Nächte verbrachte ich in
ausgezeichnetem Aborigine Land. Camping verboten! Aber Fleisch durfte man auf einem frei zu benutzenden BBQ braten.
Zwar wurde es nicht gern gesehen, dass ich trotzdem meinen Liegestuhl nach draußen stellte und in meiner Wohnkarre übernachtete, aber der Hinweis, dass es sich um ein selbstkontainende Wohnbehausung handelt und meine Walk-About auf Aborigine Land durchaus ernst gemeint waren, ließ man mich gütig gewähren. Zum ersten Mal sah ich hier Höhlenmalereien, die als Spuren der Ahnen zu lesen waren. Der lokale Tribe von
Cobar, hatte in Zusammenarbeit mit der National Park Behörde das ganze begehbar gemacht, und einen Rundweg durch den angrenzenden Wald, hoch in die Berge, gekennzeichnet.
Alles war natürlich aufregend wahrzunehmen, aber wenn ich Euch sage was mich am meisten beeindruck hat, dann kommt Ihr vielleicht schon mal leicht auf den Gedanken, der spinnt wohl!
Dieses geologisch zusammengepresste Gebilde nennt man Konglomorat. Die Kieselsteine, an ihrer runden Form ist die Einwirkung von Wasser sehr gut zu sehen, wurden mit dem Sediment durch unvorstellbaren Druck vereint. Die Ursache war wahrscheinlich etweder Meereswasser, oder aber ein Gletscher. Wir schauen auf Abermillionen Jahren von Zeit.
Aber tatsächlich war es diese tiefe, unendliche Stille des Ortes die mich so beeindruckte. In den Nächten fühlte ich mich von ihr gehalten, und die Sehnsucht des Wiedererkennens trug mich durch klare Träume. Die Stille macht so deutlich wie sehr das kreative Potenzial des Menschen in ihr zuhause ist. Kreativität ist eine heilende Kraft die direkt aus demselben Raum kommt, der in einer bewussten
Handlung, das gesamte Universum hervorbringt. Und zwar nicht einmal, irgendwann in der Vergangenheit, sondern immerzu, jetzt. Zeit ist wohl mehr eine Gedankenreise, die tatsächlich nur gegenwärtig stattfindet. So bleibt das, was wir Gott nennen, ständig bei uns. Ja, zu guter Letzt ist es, was wir sind. Einschränkend gesagt jedoch nur, wenn wir es auch wollen und zulassen. Na, zu guter Letzt ist selbst das Zulassen ein Akt, der von Gott selbst direkt gelebt wird.
Getrennt fühlen tuen wir uns allerdings nur, wenn die Barriere des Intellekts ununterbrochen zwischen uns und unserer Wahrnehmung steht. Lassen wir los, d.h. erlauben wir unserem Bewusstsein, bewusst zu sein, ohne von eigenen Gedanken unterbrochen zu werden, dann nehmen wir die lebendige Einheit wahr. Und bitte glaubt nicht, dass Ihr dafür Eure Gedanken anhalten müsst. Das kann keiner! Das Gehirn ist dazu gemacht zu denken. Und das tut es auch. Nur dass unsere Identität keinen Falls von
diesen Gedanken abhängig ist. Wir sind das Bewusstsein, und das ist überall, unabhängig von uns als individuelle Wahrnehmung.
Ich weiß! Ganz schön verrückt, könnte man denken. Aber bitte lasst es sinken, lest es noch einmal und vielleicht irgendwann wieder. Weil es so ist, erscheint es uns nahe. Je mehr von uns ihren Weg dorthin finden, desto heiler und schöner ist diese Welt. Lasst uns nicht vergessen, alle Kreativität kommt aus diesem inneren Raum, welcher uns
durch das Zulassen der Stille, zugänglich wird.
Wie Ihr seht, bin ich hier schon am Darling River in Tilpa. Das ist das beschriebene "OUTBACK". Menschen gibt es hier kaum und die Orte liegen meist um die 200km auseinander.
Alle Liebe und herzliche Grüße von „Down Under“ Euer Richard C Rickert
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