Stetig fließendes Wasser ergießt sich hier aus den Bergen des Alpine National Parks, fließt über Kieselsteine und erzeugt dabei eine Geräuschkulisse, der ich nun Tag und Nacht lausche.
Lebenszeit ist immer JETZT Liebe/r Die Angewohnheit die meiste unserer Zeit in Gedanken zu verbringen, kommt nicht von ungefähr. Von Anfang an wurden wir darauf geprägt unser Leben unter Einsatz von Gedankenprozessen zu navigieren. Wer einmal erfahren hat was es bedeutet sich nicht
allein darauf verlassen zu müssen weiß, dass lebensnahe Freiheit mit einem veränderten Vertrauen daherkommt. Ihr werdet Euch fragen: „Vertrauen? Zu wem, oder warum? Zu oft wurde mein Vertrauen zerstört, dass ich noch einmal neues bilden könnte.“ Der Schlüssel zu verstehen liegt in der Akzeptanz, dass die Funktionen des Körpers – also der für unser Leben so unverzichtbaren Form – nicht wie eine Maschine funktioniert die man regelmäßig mit Sprit versorgt, sondern in jedem Augenblick von
einer Kraftquelle mit Gegenwart versorgt wird, welche die gesamte Welt im selben Augenblick erhält. Es geht um die – man hat sie in der wissenschaftlichen Welt längst erkannt – Hintergrundenergie, welche in oszillierenden Quanten im Innern eines jeden Atoms, messbar wird. Es handelt sich um eine zentrale Kraft, die offensichtlich alles hervorbringt.
Da auch wir als Mensch der gleichen Kreation entspringen wie diese Waldblüte hier, dürfen wir davon ausgehen, dass diese zu uns spricht. Wer kann hören was sie sagt?
Aber nun zu meiner gegenwärtigen Geschichte: Nachdem ich die Großstadt Melbourne verlassen hatte führte mich mein Weg in die nördlich gelegenen Berge, in denen die Waldbehörde einige wunderbar gelegene Stellplätze zum Campen designiert hat. Inzwischen ist es mir zur Angewohnheit geworden, die wenigen Nachbarn auf diesen Plätzen kurz anzusprechen, mich vorzustellen und ein paar Worte über die
Gegebenheiten der Gegend und des Lebens auszutauschen. Alle, so zeigt meine Erfahrung inzwischen, reagieren zunächst mit Wohlwollen. Manche können mich kaum wieder gehen lassen, während andere schnell feststellen, dass es bei einem längeren Austausch selten bei der bevorzugten Biermarke bleibt. Spätestens wenn ich bezüglich eines zunehmenden Tiefgangs Blockaden spüre, bin ich bemüht meinen Abschied zu finden und ziehe mich schnell in meine eigene Welt zurück. Ja, mir
sind auch schon Menschen begegnet, denen es nichts ausmacht, den Liegestuhl nicht zu verlassen. Sie haben sich das Laufen „abgewöhnt!“ Ohne die Gegend zu erkunden, fühle ich mich doch leicht von meiner Umgebung ausgegrenzt. Immer ist es die Natur, die mich mit neuen Eindrücken einer inneren Welt erfüllt. Staunend und neugierig erklimme ich die manchmal steilen Hänge des Waldes. Wenn ich dann wieder Heim in meinen Wohnwagen gehe, fühle ich mich gesättigt und mit Eindrücken
bereichert.
Wie gut, dass es diese unzugänglichen Bereiche der Natur gibt. Sie sind wie Inseln, in denen die Vielfalt bis auf Weiteres erhalten bleibt.
Gegenwärtig schreibe ich an einem Buch, welches Instruktionen zur Einkehr enthält. Und da ich weiß, dass wir alle gern Geschichten hören, habe ich mir vorgenommen, diese in lebensnahe Geschichten zu fassen. Wer behauptet schreiben sei keine Arbeit, der hat noch nie geschrieben. Immer wieder kommt es zu Momenten, in denen mir sprichwörtlich der „Kopf raucht“! Zu guter Letzt ist natürlich alles sowohl eine
Berufung als auch die Erfüllung einer Neigung, mit der ich gerne alt werde. Jedes Mal, wenn mich die Notwendigkeit für Lebensmittel und Kraftstoff in die Stadt zieht, vergeht mit Schnelligkeit eine Zeitspanne, die ich in dem Ausmaße so nicht für möglich gehalten hätte. Dabei will ich doch eigentlich immer lieber draußen sein. Gleichzeitig schätze ich die Umgebung von Menschen sehr. Das Privileg nun reisen und schreiben zu dürfen kommt ja nicht jedem zu. Selbst Menschen, die
es sich leisten könnten, haben oft zu viel Angst vor der natürlichen Welt. Hier wird deutlich, wie sehr uns die Informationen, die wir im Laufe der Zeit aufnehmen und ansammeln, beeinflussen. Die Hauptangst, psychologisch zurückverfolgt, finden wir in der Konfrontation sterben zu müssen.
Eine "King Brown"! Das als giftigste Schlange der Welt bekannte Reptil. Hier schlängelt sie sich über eine unbefestigte Autostraße, und wartete mir beim Heben meines Blickes mit ihre Anwesenheit auf. Sie ist hier zuhause und ich allenfalls ein Besucher. Ohne Angst, aber mit dem entsprechenden Respekt umging ich ihren Pfad. Sie hat tatsächlich kein Interesse mit Böses zu tun, braucht sie ihr Gift
doch um wesentlich kleinere Beutetiere zu verdauen.
Eigentlich sollte ja das Hauptaugenmerk unserer Zivilisation darauf liegen, den Tod, und dass damit verbundene Ableben unseres Körpers, eingehend zu studieren. Wir haben im Laufe der Jahre so wunderbare Fortschritte in allen Lebensbereichen gemacht. So wunderbare Fortschritte tatsächlich, dass die durchschnittliche Lebensspanne in den vergangenen Hundert Jahren von 35 Jahren auf 75 Jahre angestiegen
ist. Der Komfort in Form von Wärme und regelmäßiger Nahrung hat sich um vieles verbessert. Die medizinische Versorgung hat unerwartete Ausmaße erreicht. Eigentlich hat jeder Bereich des Lebens maßgebliche Verbesserung erfahren. Wer will da noch von den „Guten alten Zeiten“ reden!? Und gleichzeitig sind wir dem Verstehen des Kerns des Lebens, kaum nähergekommen.
Andere Kulturen dagegen, meist uralte Kulturen, betrachten das körperliche Leben des Menschen als Übergangsstadium, dem eine
Seelenreise zu Grunde liegt. Sie gehen mit großer Sicherheit vom Reisen der Seele aus. So wird das Leben des Individuums geschätzt, beglückwünscht und gefördert, der Tod jedoch als ein Tor gesehen, durch welches zu gehen, eben nicht nur den Abschied beinhaltet, sondern die Chance der Seele noch größere Freiheit, in einer noch schöneren Welt zu erfahren. Immerhin sind wir – und daran sollte es bei niemandem von uns noch Zweifel geben – Individuen, die vom gleichen Element des
Bewusstseins beseelt sind.
Diese ist, oder war das Heim einer "Tunnel-Spinne". Fast erscheint es mir unglaublich, wie sie in der Lage ist aus den steilen Gesteinswänden einer Waldstraße soche Heimstätten zu bauen. Die inneren Wände sind, soweit ersichtlich, mit Spinnfäden gesichert und bieten sicher auch bei Nässe ein stabiles Heim.
Das Bewusstsein nimmt zwar in seiner Inkarnation (Fleischwerdung) eine individuelle, und damit einmalige, Form an, reist jedoch, unter Ansammlung von tiefer Bereicherung durch immer neue Leben. Der tibetische Buddhismus geht sogar davon aus, dass eine Seele, einmal durch Erkenntnis befreit, die freie Wahl hat ein neues Leben anzunehmen, oder in der geistigen Welt zu bleiben.
Ihr seht, es scheint mir
gleichgültig in welcher Situation ich mich gerade befinde, der große Zusammenhang ist mir ein unvergesslicher Maßstab. Bedeutet das vielleicht, dass mir etwas „unter die Haut“ gefahren ist? Wie sollte ich das beantworten, ohne arrogant zu wirken. Ich weiß allenfalls ein wenig mehr von alldem, was wir normalerweise nicht wissen. Das garantiert dann auch eine Offenheit, die wohl notwendig ist, was das dauerhafte Dazulernen betrifft. Die Attribute des
Grundzustands sollten zweierlei sein, so erscheint es mir heute: Zufriedenheit und im Austausch miteinander, freundliches Verständnis.
Hier nochmal die Oberfläche der besagten Steilwand, welche, für den Bau eines Waldweges für Fahrzeuge, aus dem Berg geschält wurde. Flechten aller Art haben sie als Lebensraum nutzbar gemacht. So bleibt zu guter Letzt alles im Griff der "kreativen Kraft" deren unmittelbarer Ausdruck auch wir sind.
Erstere basiert auf der Einsicht, dass es „außer Gott“ nichts gibt. Alles ist also in und aus der einen Kraft. Ob Krieg oder Frieden, in Anbetracht der „Ewigen Seele“ bleibt alles nur eine temporäre Erscheinung und geht in seiner Substanz nicht verloren. Aus dieser Wahrnehmung folgt dann das Verständnis für den Einzelnen und zeigt sich durch freundliche Unterstützung, zugeneigter Bereitwilligkeit oder auch
tatkräftige Beeinflussung. Denn Liebe ist alles andere als nur zärtlich. Sie kann auch – mit dem Wissen über den Zusammenhang – hart, führend und sogar strafend sein. Zu leben, heißt auch lebensnah zu bleiben, nicht umsonst sind wir mit den Attributen ausgerüstet, derer es bedarf Mensch zu sein. Eines jedoch sollte klar sein. Im richtigen Handeln liegt die ganzheitliche Sichtweise und damit das wissentlich „Gute“. Wohingegen das „Böse“ immer und ausschließlich von
„Nichtwissen“ beseelt ist, und so automatisiert gegen das eigene und das Wohl anderer handelt.
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Mit herzlichen Grüßen von der großen Insel im Südmeer
Richad C Rickert
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