Das erste Licht gibt die Konturen einer Landschaft frei und spiegelt sich - noch ohne die Kraft der Farbe - im still liegenden Wasser.
Inventur der Lebensumstände…. Ob Du’s es glaubst oder nicht, wir Europäer sind das Schlaraffenland gewöhnt. Nachdem wir energiereiche Nahrung zu uns genommen haben, machen wir uns daran energiereiche Nahrung auf energiereichen Böden anzubauen, und nehmen den dafür notwendigen Regen für fast selbstverständlich. Doch, es ist, auch in Europa trockener geworden. Ob das
nun Menschen gemacht ist oder nicht, sei für jetzt dahingestellt. Noch können wir mit ziemlicher Gewissheit säen und davon ausgehen, dass wir, wenn auch keine Bumper-Ernte, so doch zumindest etwas Brauchbares einfahren. Das ist hier in Australien, wo immerhin 4% der Erdbevölkerung 9% der Nahrungsmittel für die Welt anbauen, nicht unbedingt der Fall. Sogar in den grünen Randstreifen, der an die Ozeane grenzenden fruchtbaren Böden, bleibt der Regen oft aus, und die
dadurch verursachten Trockenheiten, hinterlassen bleibende Schäden in den betroffenen Böden. Wie ich Dir schon berichtete, besuchte ich die Ruinen einer Siedlung, in welcher, gemessen an der soliden Steinbauweise, die Siedler davon ausgingen für viele Jahre, nicht nur ansässig zu sein, sondern wie andere Siedlungen in Amerika zu wachsen und zu gedeihen. Hunderte von Kilometern von den, meist am Rande des Kontinents gelegenen Metropolen, setzten sie Kamelkaravanen als
Transportmittel ein, um bei oft mehr als 40°C im Schatten, ihre Güter von A nach B zu bewegen.
Die gleiche Kulisse wie oben einige Zeit später. Offensichtlich bringt das zunehmende Licht der Sonne Farben ins Spiel (des Lebens), die bereichernt sind, und gleichzeitig der schwarz-weißen Wirklichkeit etwas Besonderes verleiht.
Mein Besuch des dazugehörigen Friedhofs war nicht nur aufschlussreich, sondern machte, durch namenlose Kreuze, deutlich, wie gering die Rolle des Einzelnen war, im Gegensatz zu unserer individualisierten Sichtweise im Kontext der Moderne. Wie wir alle wissen, brachte uns diese Zeit der Besiedlung fremder Kontinente, auseinandersetzende Kriege mit der gleichen Sicherheit, mit der sie auch heute noch ihre bösen
Fratzen in die Gegenwart strecken. Vielleicht ist es ja tatsächlich unsere Fähigkeit die Individualität, zwar als besondere Eigenschaft zu schätzen, aber sie zeitweise für die allgemeine Entwicklung zurückzustellen, was uns zu einer positiv entwickelten Zukunft verhelfen könnte? Damit meine ich weniger den namenlosen Soldaten als die Zusammengehörigkeit, welche über Macht und Besitz hinaus, ein Mitgefühl für unseren proklamierten Feind möglich macht. Zu guter Letzt, ist
eben auch unser Feind friedliebend und hofft auf eine wünschenswerte Zukunft. Ich denke, dass meine relative Isolation etwas zum Tragen bringt, was andernfalls kaum unser Blickfeld erreicht. Damit spreche ich von einer zunehmenden Wahrnehmung dessen, was mich nicht nur lebt – in Form der körperlichen Funktion – sondern auch in Form der Handlungen, welche ich ausführe. In der oft spontanen Ausführung genieße ich die Möglichkeit mich dabei zu beobachten,
um festzustellen, dass der selbstreflektierende Gedanke, in Form der getrennt von anderen Erscheinungen auftretenden Persönlichkeit, eine auffallend geringere Rolle spielt. Die Inspiration, also die positive Einstellung zur Gegenwart, scheint eine Qualität zu sein, zu der wir zu jeder Zeit Zugang haben, nur dass eben die Identität so stark im Denken verankert ist, dass dieser Aspekt unserer Gegenwart nur geringfügig, wenn überhaupt, zum Tragen
kommt.
Nochmal die gleiche Kulisse an einem bewegten Tag. Die Wetterfronten bringen Wolken und viel Wind ins Spiel. Das Verhalten der Vögel hat mich am tiefsten beeindruckt. Während die Schwalben wie kleine Kampfflieger nahe der Wasseroberfläche beschäftigt waren, pausierten die schwarzen Schwäne am gegenüberliegenden Strand.
Darum möchte ich hier nochmal eingehend auf die tatsächliche Struktur unserer Welt aufmerksam machen: Von weit Außen betrachtet, leben wir in einem Planetensystem, welches sich mit ungeheuerlichen Geschwindigkeiten um seinen zentralen Stern bewegt, welcher mit sogar noch größerer Geschwindigkeit das gesamte Sonnensystem durchs Weltall zieht. Dabei dürfen wir nicht übersehen, dass der Planet Erde,
für uns der Einzige unter den anderen Planeten ist, welcher derzeit nicht nur bewohnbar ist, sondern uns aller Wahrscheinlichkeit entsprechend hervorgebracht hat. Wie im Großen, so auch im Kleinen. An die Wirklichkeit unseres Körpers anknüpfend, dürfen wir feststellen, dass wir keinesfalls in einem unbeweglichen, unveränderlichem, biologischem Anzug stecken, sondern, dass sich auf feinster Ebene dieser kontinuierlich erneuert. Das Gehirn erneuert sich sogar bis in
die letzten Stunden unseres Lebens. Das geht uns alle sehr persönlich an, und jeder Einzelne von uns darf seinen Lebenssinn im Erkennen finden, wie außergewöhnlich und wunderbar wir selbst sind, und wie wunderbar alles um uns herum funktioniert. Mache Dir doch nur einmal klar, dass die Augen, durch deren Funktion Du Dich in der Lage siehst diese Worte zu lesen, einer biochemischen „Übersetzung“ der Bilder bedürfen, um diese im komplexen System unserer Gehirns Neuronen sichtbar
zu machen. Gleichgültig wie systematisch und wissenschaftlich unser Ansatz der Selbstbeurteilung ist, die Einsicht, dass eine, sogar noch komplexere Intelligenz, hinter unserer Erscheinung steht, ist selbst für hochdotierte Wissenschaftler heute keine Frage mehr.
Die schwarzen Schwäne, wie auch Kormorane und Wasserhühner fühlen sich im, von Motorbooten unberührten Gewässer, wohler. Das Leben nimmt für sie einen selbstverständlichen Lauf. Ganz so wie er sich für uns darstellt, wenn wir einmal mit der schöpfenden Kraft in bewusste Verbindung gehen.
Gleichzeitig dürfen wir davon ausgehen, dass die Fähigkeit zu denken, welche uns ja durchaus eine immer komfortablere Lebensform beschert, uns gleichzeitig die Fähigkeit nimmt, uns als Teil des Ganzen zu erleben. Tatsächlich ist es das Gefühl der Trennung vom anderen, was uns ermöglicht ihn, oder sie, für unsere Ziele zu töten. Machen wir uns nichts vor. Auch wir Menschen sind ein Teil der Natur und
so sehr mit ihr verbunden, dass ein Leben ohne sie, nicht möglich wäre. Gerade in unsere Zeit, in der wir uns mit hochkomplexen Waffensystemen gegenüberstehen, bedarf es des inneren Raumes, um mit uns selbst, und damit mit allem anderen in Verbindung zu treten. Wir können uns nicht allein durch aufschlussreiche Gedanken aus dieser voraussichtlich tödlichen Situation denken. Es bedarf des „Inneren Raums“, der erkenntlich macht wer wir tatsächlich sind, welcher uns mit dem
Gegenüber verbindet. Eine innerlich gehegte friedvolle Absicht ist also das Beste, was jeder von uns zum Frieden in der Welt beitragen kann. Dafür, - ich wollte schreiben „wünsche“ ich Euch, aber – dafür habt ihr den Segen Gottes! Allein geboren worden zu sein, bedeutet allen erdenklichen Segen bereits zu haben!
Zwischen den massiven Bäumen einer fruchtbaren Landschaft lässt die Sonne ihre letzten Strahlen blitzen. Reiche Böden sind hier gut gepflegt und lassen für uns Schafe und Rinder gedeihen.
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Mit herzlichen Grüßen vom Wüsten-Kontinent Richard C Rickert
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