Wie ein Symbol des Überlebens thront hier der Rabenhorst im abgestorbenen Holz. Wahrscheinlich hat eine Trockenperiode den Baum das Zeitliche segnen lassen und damit den Vögeln den Sichtschutz genommen.
Die Welt im Wandel…. Liebe/r Während ich durch ein Land reise, deren Ausmaße mir immer wieder bewusst werden müssen, damit ich mich selbst und das, was ich kenne in Relation setzen kann, mache ich, unter anderem, auch widersinnige Erfahrungen. An einer Wegkreuzung bog ich rechts ab, um in der Bergbausiedlung Roxby Downs meine Vorräte
aufzufrischen und vielleicht mal einen Blick auf den dortigen Tage- und Untertagebau von Kupfer, Uran, Silber und Gold zu werfen. Nach zirka 40 km unbefestigter Straße, über welche ich mich schlängeln musste, um nicht in den „Flood „Ways“ (das sind oberflächliche Wasserüberläufe) steckenzubleiben, hatte die Sonne einen Stand erreicht der mich zum Übernachten anhielt. Nachdem ich also den Boden neben der Straße auf Tragfähigkeit getestet hatte, nahm ich das Steuerrad und lenkte mutig von
der Straße ab ins buschig, grasige Weideland. Ich nenne das mal so ganz locker Weideland, weil ich weiß, dass hier Rinder weiden, die man zwar höchst selten sieht, aber wenn, dann handelt es sich vorwiegend um sehr gut aussehende Tiere. Frag mich nicht wovon die sich wohl ernähren. Die sichtbare Vegetation ist spärlich und durchweg ausgetrocknet. Auf der gesamten Strecke vom Lake Eyre bis zu meinem Sonnenuntergangs-Camp war mir nicht ein einziges Fahrzeug
entgegengekommen. Dabei legte ich gut 160 km zurück. Inzwischen sind mir die Schotterpisten wieder so vertraut, dass ich mein Fahrzeug gut einzuschätzen weiß und mit kontinuierlichen 60 bis 90km pro Stunde über die steinige Piste sause. Das kostet! Darüber bin ich mir klar. Kein Material ist dafür dauerhaft geschaffen. Und das muss ich dann auch nach dem Öffnen des Wohnwagens bestätigen: Die Verkleidung des Kühlschranks liegt auf dem Boden. Alles, was sich irgendwie selbstständig
machen konnte, hat das auch getan, über Wandlampen und Herd bis hin zu Gewürzbehältern. Na, so ist das, wenn man hunderte von Kilometern auf unbefestigter Piste unterwegs ist.
Erst beim Verlassen dieser Landschaft entdeckte ich ihren Ursprung. Die scheinbar schwarzen Steine, sind fast reines Eisenerz und dazwischen reflektiert der Glimmer in großen Kristallen. Dick wie Panzerglasscheiben tritt er hier aus dem alten Boden hervor und leuchtet in der Sonne.
Nun kann ich von Glück sagen, dass ein anderer Reisender von Roxby Downs zurückkam, anhielt und mir berichtete, dass es kurz vor Roxby eine unüberwindliche Wasserlacke gibt, die zur Folge hatte, dass niemand sie passieren kann und die Straße offiziell gesperrt ist. Das machte Sinn, denn überhaupt kein entgegenkommendes Fahrzeug ist selbst hier ungewöhnlich. Also musste ich die 40 km zurück
zur Abzweigung und dann weitere 80 km nach Marree, von dem ich wusste, dass dort die Asphaltstraße wieder beginnt. Eingepackt, losgefahren! Kurz vor der Abzweigung werfe ich dann einen Blick in den Außenspiegel und sehe, dass ich tatsächlich vergessen hatte eine Klappe meines Kastenaufsatzes zu schließen. Die Solarstromanlage stand schon halb draußen. Na, dachte ich, das ist nochmal gutgegangen. Ein Gang um das gesamte Gespann ist normalerweise eine Routinehandlung,
irgendwie getrieben jedoch, hatte ich mich oberflächlich verhalten und hätte eigentlich dafür bezahlen müssen. Musste ich aber nicht! Du kannst Dir meine Freude vorstellen. Manchmal denke ich von mir selbst, ich bin ein Traumtänzer und gleichzeitig stelle ich dann immer wieder auch fest, dass mein Tanzen der Wirklichkeit heute näher ist, als das früher oft der Fall war. Und damit bin ich natürlich bei dem Thema, was mir am meisten unter den Nägeln brennt es zu
teilen. Ich kann nur darum bitten mich nicht für verrückt zu halten. Was ich erlebe, entspricht tatsächlich genau so meinen Erfahrungen. Irgendwie sind mir die Äußerlichkeiten und die damit unbedingte Selbstständigkeit eine erbauende Routine. Ich komme durch! Was aber ist es, was da „durchkommt!? Bei allem, was ich bin und habe, kann ich den Unterschied zwischen dem, was das Universum ist und hat und dem kleinen „Ich“ nicht mehr feststellen. Ich werde gelebt, und
schaue dabei zu. Ich bin das Bewusstsein, mit dem ich das alles erlebe. Alles ist gut, um nicht zu sagen vollkommen. Auch das, was nicht so funktioniert wie mein Geist sich das vorgestellt hat. Ich vertraue, lasse los und empfange meinen Atem wie eine Führung, die mir das Leben schenkt. Ich lache und weine und fühle eine Dankbarkeit in mir wie ich sie kaum bei mir halten kann. Alles ist gut und wunderbar, und wenn ich anderen Menschen begegne, dann darf ich sie tatsächlich als dasselbe erleben,
wie das, was ich bin. Nein, ich muss mein Empfinden nicht mehr weitergeben. Jeder, so erkenne ich mehr und mehr, wird von der selben Kraft gelebt und hat somit das Recht, so zu sein wie er/sie ist. Allein die Liebe ist das verbindende Glied in der Begegnung. Auch wenn die anderen Menschen es vielleicht nicht so mitbekommen wie ich es inzwischen darf, sie, die Liebe, ist es die da fließt. Sie ist wie ein Bindeglied welches das Leben selbst webt.
Auf dem Weg an die südliche Küste passierte ich dann nochmal die Flinders Ranges auf der linken Seite der Straße und die große Wüste auf der andern. Immer wieder drängt sich mir der Eindruck auf, den Planeten Erde verlassen zu haben.
Damals hörte ich von dem jüdischen Häftling in Ausschwitz, dessen Aufgabe es war, seine Mithäftlinge aus den Gaskammern zu schultern und ihre Körper in die Verbrennungsöfen zu schaffen. Auf dem Wege gaben sie, aufgrund ihrer Auf- und Abbewegung beim Laufen, den ein oder anderen Pfeifton von sich, der in den Ohren des Trägers so lustig klang, dass dieser lachen musste. Er überlebte den Holokaust und ging
als Erleuchteter in die Geschichte ein. Sein Name ist mir leider nicht bekannt, aber die Erzählung hat es, dass es mehrere solcher jüdischer Häftlinge gegeben haben soll, die über die Ungeheuerlichkeit des Geschehens, die Ewigkeit der Seele erkannten.
Nun ist natürlich das ganze Szenario deswegen keineswegs weniger tragisch, nur, mit den Augen des Erwachten gesehen, ist das Einzige, was wirklich zählt die Ewigkeit der Seele. Sie ist im Bewusstsein zu Hause. In
genau dem Bewusstsein, was wir alle haben, welches wir alle für selbstverständlich nehmen. Ohne welches kein menschliches Leben möglich wäre, und welches wir die Angewohnheit haben mit unseren Gedanken zu verwechseln. Zwar sind es unsere Gedanken, welche die Erscheinung der Welt möglich machen, jedoch sind die meisten von ihnen nicht zielbringend und sollten von uns hinterfragt werden. So basiert ein untergründig schlechtes Gefühl meistens auf einem Gedanken, dem wir
einfach Glauben schenken, ohne ihn in Frage zu stellen. Fragen wir stattdessen nach seiner wahrheitsgemäßen Substanz, verliert er, egal ob mit ja oder nein beantwortet bereits an Wirkung. Die zweite Frage wäre nach dem, was er mit uns macht, und die Dritte, nach dem was wir ohne ihn wären? Ich kann Dir nur versprechen, dass diese Methodik mit Gedanken umzugehen, die immer kommen und gehen, zu dem Ziele führt, was wir alle haben. Den Himmel auf Erden zu spüren! Gedanken
sind wie Wellen des Meeres. Sie setzen sich ab, hinterlassen den Eindruck eines Eigenlebens und verschwinden wieder, wie sie gekommen sind. Manche von ihnen hinterlassen Eindruck, sie betreffen den Verlauf unseres Lebens und erscheinen so, damit wir sie aufgreifen, verfolgen und lösen. Spätestens dann jedoch sollten wir sie loslassen. Sie kehren, wie alle anderen auch, in den großen Geist zurück, aus dem sie gekommen sind. Das ist unsere Aufgabe. Ansonsten werden wir gelebt und
reagieren am besten spontan, ohne Furcht und schütten dabei die erfahrene Dankbarkeit – auch sie kann von uns nicht selbst erzeugt werden – in die Welt zurück.
Die europäischen Pioniere bewegten sich hier mit Kamel-Karavanen, meist geführt von Aphganen, die zu diesem Zweck einschließlich ihrer Tiere von den Briten animiert wurden nach Australien auszuwandern. Tatsächlich ist die Landschaft ganz ähnlich ihrer Heimat. Das kann ich durch eine eigene Reise mitte der Siebziger bestätigen.
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Ganz herzlich aus der Wüste Australiens, Euer Richard C Rickert
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