Liebe/r
Es ist etwa 6:30. Das erste Licht hat den Horizont erhellt. Es war eine relativ warme Nacht, was soviel heißt wie, dass ich meine Nase nicht unter den Decken verstecken musste. Bis zu sieben Grad minus wird es in diesem ariden Klima. Tagsüber verzeichnen wir auch im Winter eine Mindesttemperatur von 12°C, die sich meistens zwischen
16°C und 18°C aufhält, aber auch Temperaturen von 20°C erreichen kann. Ich werde Euch gleich ein Foto vom ersten Sonnenlicht machen.
Da ich noch immer meinen Kindern bei ihrem gigantischen Pub-Projekt helfe, fliegt die Zeit nur so dahin. In nur vier Wochen werde ich meine deutsche Familie in Brisbane vom Flughafen abholen. Mit Ihnen wird meine Reise, Gott sei Dank, dann auch Form annehmen. Ausgerüstet bin ich für alles. Mein Wohnwagen lässt ein angenehmes Leben zu und mit dem Zelt auf
dem Dach des Fahrzeugs kann ich in die Tiefen der Nationalparks vordringen. Natürlich freue ich mich riesig auf alles, was da auf mich zukommt.
Gleichzeitig werde ich am Jahresende Siebzig und nehme damit jede Berechtigung noch etwas von unserer schönen Natur zu sehen rücksichtslos in Anspruch. Ja, ich habe mein ganzes Leben – so wie es sich halt für einen Deutschen gehört – gearbeitet.
Den Ruhestand in vollen Zügen zu genießen, sollte mir nun aber bald
zufallen.
Dabei habe ich ja schon so einige Projekte für ein gesichertes Nebeneinkommen angeleiert. Ihr wisst, ich habe schon immer gern geschrieben und jetzt soll es bald meinen Arbeitsdrang ganz absorbieren.
Trotzdem, oder gerade weil es im Leben um den Zusammenhang geht, dreht sich sein Thema um einen Lernprozess, der wohl bis in die letzten Augenblicke anhalten wird. Ich halte das für sehr beruhigend zu wissen, dass ich hier bin, um zu lernen, nicht um Beurteilung zu
finden. Das Eine, das, was wir alles sind. Und nicht nur wir, sondern alles, hat keinen Grund zu urteilen, weil es selbst in unserem Lernen und über unsere Sinne einen Aspekt von sich selbst erfährt. Dabei würde ich sogar soweit gehen zu sagen, dass wir, wenn wir uns mit Dankbarkeit und Hingabe in der Welt bewegen ganz zum Ausdruck dieses einen Geistes werden, dieser Geist sind, ohne auch nur einen Hauch von Schuld zu tragen.
Mit diesem letzten Satz möchte ich es uns nicht einfach
machen, sondern ausschließlich der Wahrheit Platz einräumen.
Als Kind fragte ich mich im Religionsunterricht der Volksschule was dieses Gleichnis von Jesus am Kreuz mit dem, ihm zur Seite hängenden Massenmörder auf sich hatte?
Jesus sprach zu ihm und soll gesagt haben: „Und wenn Du an mich glaubst, wirst Du noch heute mit mir ins Himmelreich einkehren!“
Im Laufe der Jahr kam die Übersetzung zu mir: Der Zustand der Erleuchtung, in dem wir den Zusammenhang der Welt, nicht nur
verstehen, also intellektuell erfassen, sondern das Eine in Allem erkennen, hebt uns über alle im Auftrag des unwissenden Egos begangenen Sünden hinaus. Darum gibt es über unser Leben, sobald wir erkennen, auch kein Urteil.
Das Wort „Sünde“ bedeutet übrigens „am Ziel vorbei“, und erhält somit einen Wert, der auf die Befreiung von der Unwissenheit hindeutet.
Wenn also alles Eins ist, wenn der Schöpfergeist alles, sowohl die sogenannten leblosen Dinge als auch die Kreatur in sich
enthält und sich selbst über diese erfährt, dann ist die Liebe als vereinende Kraft zu verstehen. Sie lebt im Grunde dieser Erkenntnis und wird überall dort sichtbar, wo das Wissen darüber den Augenblick des Lebens trägt.
Somit wäre alles Abtrünnige, Gewalt, Habgier, Machtgelüste und sogar die Depression ein Zeichen der Abwesenheit dieses Wissens.
Machen wir uns doch einmal Folgendes bewusst:
Die Fähigkeit zu wissen, die Fähigkeit etwas zu erfahren, uns selbst und die
Welt, bewusst wahrzunehmen bleibt, egal welcher Art das Ereignis ist, immer die Selbe.
Wir sind uns des Ereignisses bewusst, egal ob es eine Depression entspringt, oder ob wir einen Anlass zur Freude erkennen.Das Bewusstsein mit dem wir es wahrnehmen bleibt das Selbe.
Das ist was wir sind!
Mit ihm und in ihm gehen wir durch die Welt. Und ich bin mir sicher, dass wir auch im Tode Bewusstsein bleiben.
Die praktische Anwendung das Leben bewusst zu erleben
zeigt, dass wenn wir diese Bemühung machen, die Grenzen unserer Persönlichkeit sich auflösen. Wir beginnen spontan der Liebe zu dienen, sind hilfsbereit, weil wir erkennen, dass unser Gegenüber dasselbe ist wie wir.
Das „Goldene Zeitalter“ also, nachdem wir uns sehnen, liegt also ganz in unserem Geist. Die Zeit, welche das Leben auf der materiellen Ebene vergänglich erscheinen lässt, kommt immer nur als der gegenwärtige Augenblick. Gemessen also an dem womit wir uns „Unterhalten“, wird
das Heil der Welt gemessen.
Die Frage gilt: „Was tragen wir bei?“,
„Welchem Ereignis dienen wir?“
„Wird es eine lebenswerte Welt sein, oder wird sie aus der Asche neu entstehen müssen?“
Ereignisse der Einäscherung hat es schon wiederholt in der Geschichte menschlicher Kulturen gegeben. Jetzt sind wir dran! Lasst uns den Tag mit der Kraft unserer Herzen so leben, wie er sich für uns anbietet. Alles ist möglich und alles liegt in unseren Händen!
Herzlich,
Euer
Richard C Rickert