Spektakuläre Berichte… Ihr Lieben, nun bin ich bereits ein Jahr auf der Farm meiner Ur-Familie. Wir, meine Ex, Maria Nordmann-Rickert und ich, fingen hier unter, naja, modernen Pionier-Bedingungen an zu wirtschaften. Vorhanden waren damals: 2000 Hektar Land mit zirka 40 km Zaun, ein Dreiraum-Wochenendhaus und ein alter Generator, der unter verrostetem Wellblech zuhause
war. Wir waren dreißig Jahre alt und hatten, ohne es zu wissen, die schwersten Jahre unseres Lebens vor uns. Mit Idealismus überhäuft, hatten wir uns kein besseres Leben als das in einem Wald, so groß wie Belgien, ohne direkte Nachbarn, und so weit von Deutschland weg, wie nur irgend möglich, vorstellen können. Die Rechnung, aber auch der Lohn kam ohne Ankündigung! Ein Stückweit würde ich unsere Entwicklung heute als organisierte „Verwilderung“ bezeichnen. Nicht so sehr viel
anders als das „Streben der Siebzigerjahre“, hinaus aufs Land. Immerhin hatten wir die vorherigen zehn Jahre auf einem westfälischen Kotten verbracht, auf dem wir, nach all der Zeit, in nassen Jahren, Gummistiefel tragen mussten, um das Bad zu besuchen. In Australien dagegen war es trocken und warm. Ein Klima, dass zwar mit den Sonnenzeiten der Überhitzung nicht immer leicht zu nehmen ist, aber wie der Winter in Deutschland, nur mit markierter Einschränkung unerträglich wird. Mit
Dreißig noch in den Sturm- und Drangjahren, kannten unsere Pläne keine Grenzen: Wir bauten! Holzgezäunte „Yards“ für unsere Pferde und fürs Vieh, und natürlich bessere Lebensräume für uns selbst. Mudbrick, ungebrannte Lehmsteine in überdimensionaler Größe wurden zum gewählten Material. Arbeit ohne Ende war die Folge! Der Kreative Ansatz jedoch wurde belohnt wie kaum etwas anderes. Sogar die Sitzungsmitglieder des Stadtrats kamen den 99 Kurven reichen, einspurigen Waldweg, der über ganze zehn
Kilometer durch den Wald zu uns raus. Damals stand unsere „Schule“, in der wir unsere Kinder mit Unterstützung der „School of the Air“ unterrichteten, schon. Der Bürgermeister entstieg dem Fahrzeug als Erster und richtete gleich, mit Blick auf die entstandenen Gebäude, eine Frage an mich: „Richard, where is your building permit?“ „Wo ist Deine Baulizenz?“ Wir alle, die ankommende Stadtverwaltung und wir, meine Frau Maria, unsere Bauhelfer und ich wussten, dass diese Frage
nicht Ernst gemeint sein konnte. So lachten wir gemeinsam, und machten uns dann auf, die entstandenen Gebäude zu inspizieren. Der allgemeine Konsens lief darauf hinaus festzustellen, dass das, was gebaut worden war, den normalen australischen Standard um einiges hinter sich ließ. Materialstärke der verwendeten Hölzer und sogenannte „Kopfbänder“, wie im Fachwerkstil zuhause, wirkten überzeugend auf kritische Blicke, die dergleichen nicht kannten. Alle waren zufrieden, und so
bauten wir für Jahre weiter, bis wir an die allgemeine Touristenroute angeschlossen wurden und eine angemessene Straße bekamen. Erst dann wurde der „offizielle Segen“ der Stadt verbindlich.
Solange ich mich heute hier, aufgrund von helfenden Aufgaben in der Fertigstellung eine Gaststätten-Projektes, noch nicht frei machen kann, werde ich Euch über meinen Newsletter immer wieder Einblick in diese historische Vergangenheit mitliefern. Nicht ausschließlich, aber doch so, dass Ihr Euch
einen gesunden Reim machen könnt wie mein/unser Leben damals so verlaufen ist. Danke für Eure Aufmerksamkeit! Dazu möchte ich verlauten lassen, dass Ihr doch bitte versteht, dass ein Newsletter wie dieser – auch wenn ich es gern tue – tatsächlich mit Arbeit verbunden ist. Im Allgemeinen rechne ich für die Zusammenstellung zirka drei konzentrierte Stunden. Das nur zur Information! Die Gegenwart: An einem Abend zuvor hatte mich ein Vollmond in die Nacht begleitet, der als
ballrunder Himmelskörper inmitten der Ausbuchtung meines Horizontes, unter mir auftauchte. Welche Zeichen brauchen wir, um erkennen zu können, dass der Augenblick des Lebens durchaus immer besonders und kostbar ist!? Ein Morgen danach ließ leichte Rotschimmer an den zerzausten Wolken erkennen. Ich stürmte nach draußen und ließ meine Kamera die Atmosphäre einfangen. In der Nacht hörte ich den Wagen meines Sohnes Bernhard, der, so wusste ich gleich, seine Frau Isabella in das
unterstützende Hospital des Ortes fuhr. Endlich sollte unser Enkel kommen! Am Morgen dann die erschöpfte Auskunft, dass der gesamte Geburtsprozess nur etwas über eine Stunde gedauert hatte. Gott sei Dank! Das Paar wurde dann noch, aufgrund von unvorhergesehenen Blutungen, um diese zu stillen, ins nächstgrößere Hospital gefahren. Wie wir nachher erfuhren, war das Problem schon behoben, bevor man dort eintraf. Unsere Interpretation: Das System muss gefüttert werden, die
Kosten ausgeglichen und dafür herhalten, muss immer der Kunde. Egal, wir sind überglücklich, dass es dieses System gibt. Dabei denke ich, dass wir noch immer ausreichend Freiheit haben, eigene Entscheidungen zu treffen.
Der verheißungsvolle Abend einer Vollmondnacht kündigt den Zuwachs im Familienclan an.
Ein Morgen, wie viele und doch... ist keiner wie der andere!
Das Geschenk des "Neuen Universums" in den Armen der fürsorglichen Mutter umfasst die Unendlichkeit und Größe, jenseits aller Erwartung.
Nach unmissverständlichem Feedback von Euch, werde ich meine philosophischen Ausführung – die tatsächlich durchaus mit sehr viel Herzblut ihren Weg aufs Papier finden – in Zukunft, so kurz wie möglich halten. Sollte es doch, widererwarten, ein Bedürfnis danach geben, bitte ich Euch, mich das wissenzulassen. Der verlorene Bezug: „Wer bin ich, und was tue ich hier?“, ist
durchaus eine Frage, die wir uns alle zu stellen haben. Längst ist der Bezug zu dem, was uns – sogar als körperliches Wesen – ausmacht, weder aktuell noch eine gelebte, bewusste Qualität. Dabei will ich, selbstverständlich, die Wahrheit im Einzelfalle keineswegs untergraben. Wir dürfen uns allgemein als glücklich schätzen, dass es immer wieder Persönlichkeiten gibt, die sich um die Beantwortung solcher Fragen, früh im Leben berufen fühlten. Die Möglichkeit zu lernen also, steht uns
allen offen! Warum sollte ich darüber lernen wollen? Nun, die Antwort liegt wohl, unter anderem, in dem Jahrtausende alten, religiösen Zugehörigkeitsbedürfnis. Unsere religiös, organisierten Vorfahren haben das Bedürfnis nach Antwort auf diese essenziellen Fragen quasi gekapert. Die vielschichtigen Kirchen etwa waren die Folgen. In der Illusion der Trennung, von dem was wir als „Gott“ zu bezeichnen gelernt haben, liegt das Bedürfnis nach Identität, welche über den Tod
hinausgehend, das beschreibt was wir als „Ich“ bezeichnen.
Ich weiß, allgemein glauben wir, als „Ich“ das zu identifizieren, was die Integrität unserer Persönlichkeit beschreibt. Nicht dazu passend jedoch ist der Umstand, dass das „Ich“, von uns allen immer wieder bezeugt, als etwas Unveränderliches, als immer Dasselbe bleibend, identifiziert wird, während unsere Persönlichkeit sich im Laufe des Lebens anpasst und
verändert. Ich würde einmal behaupten, dass das „Ich“ in uns allen dasselbe ist und bleibt, und mit dem ewigen, unveränderlichem Geiste „Gottes“ zu identifizieren ist. Wir leben also in dieser Identität, ohne es zu wissen, und können, aus diesem Grunde allein, diese Verbindung auch nicht feiern. Im Gegenteil, wir fühlen uns getrennt! Getrennt von anderen. Getrennt von der Umwelt und sogar getrennt von uns selbst. Das Letztere ist als Depression
bekannt. Stellen wir uns einmal vor, was es bedeuten würde, würde unsere Identität über unsere körperliche Erscheinung in die Begegnung mit unserem Mitmenschen, der Umwelt und unserer eigenen Beziehung zum Ursprung des Lebens reichen. Wir wären von Grund auf: Glücklich, zufrieden, frei, mitfühlend und glücklich!
Herzlich, Euer Richard C Rickert
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