Mein Wort zum Donnerstag…
Jeder Tag, jede Phase des Tages ist wie ein neues Leben, wir erwachen, immer aufs Neue, aus einem der drei Bewusstseinszustände, die uns Menschen anhaften.
- Tiefschlaf
- Traum und
- Wachzustand
Intuitiv würden wir zwar die Reihenfolge ändern und den sogenannten „Wachzustand“ an erste Stelle rücken, tatsächlich aber verbringen wir ein Drittel der Zeit unseres Lebens in den zwei anderen Zuständen, Traum- und
Tiefschlaf.
Würden wir uns weniger mit der Identität des Wachzustandes identifizieren, würde die Wahrscheinlichkeit der Erkenntnis dessen, was wir dauerhaft eigentlich sind, signifikant zunehmen.
Was meine ich damit?
Der Tiefschlaf kommt aus dem Urzustand dessen zu uns, was wir schon immer waren, und immer sein werden. Die Auswirkungen dahin zurückzukehren sind so weitreichend, dass wir behaupten können, Erfolg und Versagen sind davon abhängig.
(Regeneration, Kreativität, psychische Balance etc.)
Der Zustand des Tiefschlafs ist die reine Natur. Sie kennt keinen Misserfolg, sondern macht sich das Versagen eines Ansatzes (z.B. dem aussichtslosen Keimen eines Baumes, der durch den Lichtentzug seiner Eltern, die über ihm den Himmel einnehmen, verwelkt) im größeren Zusammenhang zu Nutze, um anderweitig, (z.B. durch die Fütterung des Bodenlebens durch sein Welken) erfolgreich zu sein.
Alle Kreativität ist eine Folge guten Schlafes, oder des direkten Zugangs zu dieser Quelle durch Meditation oder Gebet.
Der Traumschlaf spiegelt den Facettenreichtum unserer Psyche. Wissend das wir träumen, sind wir sogar in der Lage während des Traums Entscheidungen zu treffen und diese in eine scheinbar dreidimensionale Wirklichkeit zu bringen. Von Zeit zu Zeit ist es mir sogar vergönnt willentlich zu fliegen. Ich muss
sagen, dass sind die schönsten Träume, die ich kenne!
Der Wachzustand als Grad der Bewusstheit wird von uns im Allgemeinen als die eigentliche Identität anerkannt. Wir identifizieren uns dabei vorwiegend mit dem Denken und den daraus erwachsenden Gefühlen.
Das die Art des Denkens unserer Frühprägung entspricht, mit der Welt in Resonanz tritt und dementsprechende Erfahrungen erzeugt, ist uns meist wenig bewusst. Trotzdem ist es das, was wir glauben zu
sein.
Meine eigene Erfahrung lehrt mich, dass das Öffnen des Fensters in den Bereich des Tiefschlafes (reines Bewusstsein) mich mit einer Wirklichkeit verbindet, die weit über meinen Wachzustand hinaus in die kreative Gestaltung des Lebens reicht.
Dazu bediene ich mich, nebst regelmäßig praktizierter Meditation, der „hörbaren Stille“. Manche von uns mögen das als Tinnitus bezeichnen, für mich war diese „hörbare Stille“ von Anfang an ein Fenster in eine „andere Welt“.
Wobei die
Bezeichnung „andere Welt“ eigentlich unzutreffend ist. Diese sogenannte „andere Welt“, ist die, welche die „materielle Welt“ und damit all unsere Erfahrungen hervorbringt!
Ein großer Meister des „Inneren Wegs“ Jalal al-Din Muhammad Rumi, der wohl durch die weisen Gedichte „Der Prophet“ bekannt wurde, sagte einmal:
„Stille ist die Sprache Gottes,
alles andere ist eine schlechte
Übersetzung!“
Herzlich, Euer
Richard C Rickert