Lieber/r Wasser auf einem trockenen Kontinent Meine, über Jahre gesammelten Eindrücke über das Vorhandensein, den Gebrauch und die Wertschätzung von Wasser in Australien, geben einige Zusammenhänge frei. Geben wir Wasser den Stellenwert, den es einnehmen sollte, erkennen wir, dass es das Lebenselixier überhaupt ist. In Nordrhein-Westfalen, wo ich groß
wurde, wissen das sicher alle Gärtner und Landwirte. Dem in Siedlungen beheimateten Bürger jedoch – wenn er eben kein Gärtner ist – ist die Bezeichnung als Lebenselixier, wenn nicht unbekannt, doch zumindest von keinem Erfahrungswert begleitet. Ich erlebte zur Zeit meiner Lehre zum Töpfer, Monate pausenlosen Regens im Sommer. Es regnete nicht nur, es schüttete! Damals erinnerte ich mich an die schönen Sommer meiner Kindheit, in denen mein gesamtes Lebensgefühl von den trockenen
Gräsern an den Böschungen der Wald- und Feldgräben geprägt wurde. In diesen liegend, mich in der Sonne aalend, erlebte ich meine ersten Momente vollkommener Stille, vollkommen eins mit der trockenen Wärme des Bodens und dadurch eine Art von Zuhause, wie sie aus meiner Erinnerung nie wieder weichen sollte. Unsere ersten Erwägungen einer Auswanderung ließen uns mit den Fantasien an Kanada spielen. Erst die ernüchternden Minusgrade im Winter vermittelten die Einsicht, dass solche
knochenbrechenden Temperaturen für einen Töpfer, der seine Hände durchweg im Wasser bewegt, kaum förderlich sein können. Was lag also näher (bzw. ferner) als Australien. Trocken und warm sollte es sein. Die Wirklichkeit jedoch, kam dann erst Jahre nach dem Schritt der Auswanderung: Ja, das Setzen der ersten Pfosten für einen Reitplatz und dann für die erste Werkstatt belehrten den jungen Europäer schon früh. Ich erinnere mich mit einer, sogenannten Crowbar
(Einer zwei Meter Stahlstange mit messerartiger Spitze) den Boden mit jeweils drei bis fünf Centimetern aufzubrechen, wobei die Stahlstange jedes Mal wenn sie eindrang vibrierend stecken blieb. Nach einigen Bemühungen den Boden aufzubrechen, versteckte man sich dann vor der Sonne im Schatten des schon gesetzten Pfostens, erholte sich und wagte einen neuen Ansatz. Wenn dann die Trockenheit über Monate anhielt, verwandelte sich der Hof zwischen Werkstatt und Wohnhaus in ein knöcheltiefes
Staubbett, wobei der Staub des ältesten Kontinents der Erde so fein ist, dass er bei jedem Schritt eine kleine Wolke davon in die Luft schickte. Im Extremfalle zogen bei Gelegenheit schwere, schwarze Wolken über uns weg, welche von der, auf der Himmelseite gnadenlos brennenden Sonne am Himmel gehalten wurden, als wenn es keinen Bedarf für Wasser gäbe. Natürlich trug auch der überhitzte Boden dazu bei, das Wasser gen Himmel zu drücken. Nun, wenn es dann mal regnet,
bleibt natürlich die Wertschätzung der gesamten Natur nicht aus. Es ist wie ein stille Gebet! Das Wasser saugt in den Boden ein, und dieser verbreitet den Geruch von wiederbelebter Erde. Ein Duft wie ihn nur das Leben selbst hergibt. Trifft man danach auf andere Menschen im Dorf, heißt es nur: „Ten mill! Thirty mill!... und wer noch mehr bekommen hat, der kann seinen Mund kaum wieder zu bekommen. Alle begegnen sich mit lachenden Gesichter. Die Fütterung der Kühe und Schafe ist mal
wieder gesichert und alle wissen, die Preise steigen. Denn das ist durchaus ein Problem! In Zeiten der Trockenheit werden die „Sale-Yards“, die Verkaufsställe, leicht überfüllt und der Preis pro Kilo Lebendgewicht sackt in den sprichwörtlichen Keller. Dann verdienen die Händler erstmal so richtig… und ohne schlechtes Gewissen, obwohl sie sehr gut wissen, dass viele Farmer mit Schulden ihre Sachen packen müssen, um kleinlaut zurück in die Stadt zu ziehen. Bei Australien haben
wir es mit einem Kontinent zu tun, dessen Großteil einmal unter Wasser gelegen hat. Aus selbigem Grund gibt es heute gigantische, flache Wüsten, aus welchen so mancher Forscher der ersten Stunde seinen Weg nicht mehr zurück fand. Heute verwandeln sich diese Flächen alle zehn Jahr in ein Blumenmeer und an manchen Stellen, wo das Oberflächenwasser zu Seen zusammenläuft, treffen sich Millionen von Vögeln um zu brühten. All diese Zusammenhänge setzen meine heutigen Bilder in den
entsprechenden Kontext. Doch, ich fühle mich mit dem Land so verbunden, dass beim Anblick des fließenden Creeks ein freudiges Lachen von innen gluckst.
Im noch eben trocken und heiß, im gleißenden Sonnenlicht liegenden Bachbett, fließt das Wasser in Hülle und Fülle. Im Norden Europas ist das ein gewohntes Bild. Hier dagegen wird das kühlende Nass zu einer bewusst erlebten wunderbaren Erscheinung.
Die Freude ist groß. Das Leben ist immer "Jetzt"!
Wer wir tatsächlich sind Selbst die Verschleierung unserer wahren Identität als Mensch hat den Glanz der Vollkommenheit. Was meinen wir mit Identität? Identität ist das, als was wir uns vorrangig identifizieren. Wir glauben zum Beispiel unsere Gedanken zu sein und verfallen dieser Annahme so sehr, dass uns jeder Gedanke in eine neue, oder auch
wiederholte Lebenssituation werfen kann. So erinnern wir Lebensereignisse, die derzeit einen starken Eindruck hinterlassen haben und erleben die, in der Vergangenheit beheimatete Situation aufs neue. Unsere Gedanken erzeugen dazu die nötigen Chemikalien im Gehirn und schütten diese so auf unseren Körper aus, dass dieser sogar die Gefühle von damals in der Lage ist Revue passieren zu lassen. Spätestens jetzt sind wir so sehr mit dem identifiziert, was uns damals geschah, dass wir kaum
Platz finden würden einer anderen Wirklichkeit Raum zu geben. Und so geht das unser Leben lang. Je nach Phase unseres Lebens, Kindheit, Jugend, Erwachsen, Midlife und Alter sind wir so von der, vom Leben geprägten Persönlichkeit beeindruckt, dass wir oft nicht einmal die Möglichkeit einer alternativen Identität in Erwägung ziehen würden. Die Wirklichkeit jedoch ist eine völlig andere. Wir entstehen aus dem zusammenkommen zweier Energien, die eine wunderbare
Zellvermehrung zur Folge hat. Während dieser Entwicklung leben wir in einer Flüssigkeit, die zu unserem Schutz vor Infektion, zum größten Teil aus unserem eigenen Urin besteht und atmen, den Sauerstoff, der durch die wundergleichen Funktionen des Körpers unserer Mutter zu uns gelangt. Dann werden wir in eine Welt geboren, die entsprechend unserer persönlichen Voraussetzung einen Schutz für unser zartes Leben bildet, der in den meisten Fällen ausreicht uns bis ins selbstständige Alter zu
begleiten. Spätestens jetzt sollten wir in der Lage sein, den Zusammenhang einer Welt zu erkennen, in welcher die Bestandteile nahtlos ineinander übergreifen. Da wir aber auf die objektive Erscheinung, die materielle Ebene, dieser Welt fixiert sind, entgehen uns die geistigen Gesetzmäßigkeiten, deren verbindende Qualitäten den eigentlichen Zusammenhang unterhalten. So ist das sogenannte Schicksal keineswegs dem Zufall überlassen. Der Zusammenhang, aus dem wir geboren
werden, und dazu auch das, was sich schon lange vorher, sowohl an Qualitäten als auch an Folgen unseres Handelns angesammelt hat, macht unseren gegenwärtigen Zustand aus. Wir sind, sowohl geistig wie auch körperlich ein homogenes Ganzes! Und das auch, wenn wir es gerade nicht wissen. Die Annahme, dass wir allein in die Welt gestellt sind, für uns allein sehen müssen das wir durchkommen, ist die eigentlichen Illusion. Genauso wie wir auf wunderbare Weise aus dem Einen und
dessen Gesetzmäßigkeiten folgend ursprünglich entstanden, geben wir uns selbst, über unser gesamtes Leben hinaus die Bezeichnung „Ich“! Was ist damit gemeint? Wissen tun wir das zwar nicht genau, aber was wir wissen ist, dass es sich auf etwas in uns bezieht, was über unser gesamtes Leben, gleichgültig wie sich unsere Persönlichkeit verändert und unabhängig von unserem körperlichen Alter, immer das Gleiche bleibt. Das „Ich“ bietet uns gleichermaßen eine Konstante, die sich über unser
gesamtes Leben zieht. Ihr wisst ja inzwischen, dass ich immer bemüht bin, das Wesentliche in möglichst wenige Worte zu fassen. Und so auch hier! Wenn immer wir von „Ich“ sprechen, hängt das unmittelbar mit einer bewussten Wahrnehmung zusammen. Wir können diese Erfahrung ohne Bewusstsein nicht registrieren. Also besteht ein direkter Zusammenhang! Ich und Bewusstsein entspringen derselben Quelle und in dieser liegt unsere wahre Identität! Das dürfte ausreichend sein, um viel
darüber nachzudenken, und vor allem, in praktischer Erfahrung zu erleben. Die Folge, so möchte ich Euch allen ans Herz legen, sind die lebendigen Werte des Lebens: Liebe, Friede, Freiheit, Glück und die Erfahrung von Schönheit. Wer will mehr!?
Herzlich, Euer Richard C Rickert
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