Liebe/r Das Leben im Wald wartet mit immer neuen Überraschungen auf. Während ich einerseits meine ortsbedingte Isolierung genieße, bin ich über die Gemeinschaft der Farm und Töpferei, die ich mit meiner damaligen Frau Maria vor etwa vierzig Jahren aufbaute, mit Menschen aus allen Teilen der
Welt verbunden. Vor einigen Tagen half ich meinen Kindern bei den umfangreichen Renovierungsarbeiten des „Royal Hotels“, (Ich erwähnte bereits, dass dieses Gebäude unter Denkmalschutz steht und nun meinen Kindern gehört.) als wie aus blauem Himmel meine Freunde Bev und Fred Hillier mit ihren Fahrrädern auftauchten. Bev, in ihren Mitsiebzigern und Fred mit ganzen zweiundachtzig haben schon früh angefangen die Welt
per Fahrrad zu bereisen. Noch so vielen abwechslungsreichen Erlebnissen überall auf der Welt, fällt es ihnen nun eher schwer diese eingefleischte Gewohnheit adakta zu legen. 2019 traf ich sie in Deutschland. Sie hatten bereits 2000 km auf ihren, nun E-Bikes, zurückgelegt. Gemeinsam besuchten wir damals den wunderschönen Niederländischen Nationalpark Hoge Veluwe in der
Nähe von Arnhem. Dort konnten wir, ebenfalls auf Rädern, die weitläufige Heidelandschaft und im Anschluss das sehr umfangreiche Art Museum besuchen. Nun standen Fred und Bev, die ich damals mit Tränen in den Augen verabschiedete wieder vor mir. Ich war außer mir, weil ich gleichzeitig inmitten einer dringend zu beendenden Arbeit verstrickt war. Sie beruhigten mich durch die Aussage, dass sie vorhatten, für einige
Tage mit auf die Farm zu kommen. Dort erlebten wir einander nochmal so richtig intensive. Ja, wir schafften es sogar, uns für einige Stunden auf die Räder zu schwingen um die nähere Umgebung zu erkunden. Der naheliegendste Nachbar (etwa 7km entfernt) fiel uns dann leider in sehr negativem Licht ins Auge. Ziegen- und Schafherden auf Weiden die lange ihren letzten Halm hergegeben hatten und Hunde, die in Zwinger
gesperrt schlecht versorgt waren. Eine Anzeige bei der Australischen Behörde bleibt diesmal wohl nicht aus. Am darauf folgenden Tag zogen die Beiden dann wieder ihrer Wege. Ich liebe es mit ihnen befreundet zu sein. Sie gehören wohl zu den ersten und letzten Australiern ihres Alters, welche die Welt aus der Perspektive eines Radfahrers gesehen haben. Ihre Webseite: www.tbeartravels.com Mein Abenteuer das Wissen eines Lebens in
Geschichten aufzuschreiben hält nicht nur an, sondern findet durch das Erlernen neuer Ausdrucksweisen immer eingehendere Beschreibungen und Szenen. Passend zu meinem nun langsam fortschreitenden Alter, ist das Schreiben zu meiner neuen Passion geworden. Das erste kleine Buch, welches fünf Kurzgeschichten über die Schicksale unterschiedlichster Menschen enthält, wird schon bald bei Amazon als E-Book, und je nach Nachfrage später dann auch als Taschenbuch erhältlich sein. Der Titel: "Jedes Leben
ist ein spirituelles Leben", wurde aus meiner persönlichen Erfahrung geboren, und trifft den Nagel, wie ich hoffe, direkt auf den Kopf. Ein zweites Buch ist bereits in Arbeit. Mehr dazu kann ich allerdings noch nicht sagen, außer vielleicht, dass meine Geschichten zwar meiner Fantasie entspringen, in jeder Beziehung jedoch am Leben ganz „normaler“ Menschen orientiert sind. Hier will ich Euch noch einen kurzen Einblick in meinen Tagesablauf geben, bevor ich wieder von dem schreibe, was mich innerlich sehr beschäftigt: Das erste Morgengrauen lässt mich in einem sehr schönen, aber eiskalten Wohnwagen erwachen. Ein mutiger Schritt in die Kälte führt mich als erstes zur Gasheizung, die dann in sehr kurzer Zeit den Wohnraum erwärmt.
Yogaklamotten an, mache ich dann schon bald meine erste Beugung. Auf den Knien, Stirn am Boden und Arme nach vorne ausgestreckt, strömt ein „Danke“ mit Hingabe durch meine Gedankenwelt. Dieser erste, bewusste Kontakt zu dem was mich atmet und lebt, empfinde ich als so wichtig für meinen Tag. Eine halbe Stunde später sitze ich dann meist in der Sonne und genieße die, für Tage im Voraus, geschnittenen Gemüse und
Obststückchen. Eine große Schale davon legt sich dann auf die Wände meines Darms und verhindert damit eine zu schnelle Zuckeraufnahme. Erst einige Zeit später nehme ich Brot und Kaffee mit selbstgemachter Guarcamole und Hefepaste. Dann darf ich für einige Stunden, abgeschirmt vom gleißenden Sonnenlicht, im Wohnwagen schreiben. Ich liebe es! Gegen Mittag oder oft auch frühem Nachmittag, mache ich mich auf den Weg zur Töpferei. Dort darf ich, durch meinen Beitrag das Geld verdienen, was ich dazu brauche den Wohnwagen zu bezahlen. Insgesamt sieht mein Leben zwar sehr anders aus, als ich mir das vorgestellt hatte,
aber das tut meiner Zufriedenheit keinen Abschlag. Natürlich fehlen mir all die, welche in Deutschland zurückgeblieben sind, aber ich weiß auch, dass das Land meiner Geburt, dem, was ich als Heimat empfinden, schon lange nicht mehr gerecht werden konnte. Jetzt bin ich zurück in der Natur. Die Heimat hat mich wieder! Bev and Fred Hillier zu Gast bei Bernhard, Bella und dem kleinen Archie. Nach ausgiebigem Essen sitzen wir am grob gezimmerten Tisch. Das Leben im Busch erlaubt so mache Menschlichkeit, die wir alle hoch schätzen. Mich kennt Ihr ja alle. Verdeutlichen will ich eigentlich nur, was mir so sehr entspricht: Die frei gewachsene Wildheit der unberührten Umgebung. Mein Bett, in dem ich ja schließlich einen großen Teil eines jeden Tage verbringe. Die warmfarbene Decke; ein Geschenk meiner großen Liebe, Marye. Und hier das Bild meiner fast achtjährigen Tochter Alya, die ich endlich in einem Jahr wiedersehen werde. Und
hier zum Eingemachten: Ihr mögt es glauben oder nicht, aber mit dem, was ich jetzt schreiben werde, erfülle ich das, was mich täglich und immer wieder zutiefst beschäftigt. Erst dadurch werde ich dem eigentlichen Sinn meines Lebens gerecht! Wir können unser Leben, an Menschen, Ereignissen und Dingen orientiert sinnvoll leben. Das ist wie es ist zwar nicht unbedingt eine Entscheidung des Einzelnen es so zu halten, aber zumeist sind wir es zufrieden. Die Frage die dennoch für jeden von uns im Hintergrund schwelt, selbst wenn wir sie uns in aller Konsequenz selten stellen,
ist: „Wer bin ich?“ Sie lässt sich erweitern durch: „ Warum bin ich hier?“ und: „Wohin führt mein Weg?“ Die erste dieser Fragen jedoch beinhaltet die anderen und beantwortet diese im besten Falle.
Der wesentliche Kern der Frage nach dem „Wer bin ich?“ dreht sich um das in uns, was unverändert das Selbe bleibt. Was könnte das sein, in einer Welt in der Veränderung die einzige Kondition zu sein scheint, auf die wir uns immer verlassen können!?
Reduzieren wir doch
einmal, entsprechend der Wertigkeit unsere Identität: Da ist die Person, die Persönlichkeit, deren Programme von Aktion und Reaktion in den ersten sieben Jahren des Lebens ins Unterbewusstsein eingespeist werden. Tatsächlich erleben wir in diesen Jahren die Welt im Bereich der Theta-Ebene. Das ist ein niedrig frequenter Gedankenbereich, der deutlich an die Beschaffenheit eines herkömmlichen Traumes
erinnert. Verstehen wir Kinder so, wird uns klar, wie sehr wir auf deren Psyche Einfluss nehmen. Den größten Teil des Rest unseres Lebens, verbringen wir in den Mechanismen, welche aus dem zuvor programmierten Bereich unseres Unterbewusstseins, kommen. Oftmals
unterliegen wir dem Eindruck, dass wir das sind, was denkt. Jedoch kommen viele unserer Gedanken erst Sekunden, oder sogar Minuten später in den Frontlappen unseres Gehirns, in dem das Entscheidungsbewusstsein stattfindet. Wir sind also, als lebende Identität, nicht unsere Gedanken. Sie kommen und gehen, und ändern sich je nach Einfluss. Sind wir dann unser Körper? Wie wir alle wissen, ändert sich Form, Farbe und Beschaffenheit unseres Körpers im Laufe des Lebens maßgeblich. Trotzdem fühlen wir uns, ganz wie im Anfang unseres Daseins, als derselbe Mensch. Was ist es also, was sich da über die Jahre, trotz großartiger Veränderungen
hält? Es ist die unbeeinflusste Wahrnehmung, die wir als „Reines Bewusstsein“ bezeichnen dürfen. Nun behauptet unsere Wissenschaft, dass dieses Bewusstsein an die Funktionen unseres Gehirns gekoppelt ist. Rechtmäßig dürfen wie sagen, dass der Ausdruck in
Form von Bewegung und Sprache diese Aussage bestätigt. Das jedoch das Bewusstsein etwas ist, was über diese Funktionen hinaus Bestand hat, geht völlig an uns vorbei. Ein Baum steht sein Leben lang an einem Ort. Er bewegt sich ausschließlich durch den Einfluss anderer Elemente und trotzdem zeigt er Reaktionen, die auf Bewusstsein schließen lassen. Bewusstsein selbst ist das einzige substanzlose Element, welches in der Lage ist, sich selbst zu reflektieren, ohne objektbezogen sein zu müssen. Wie und warum das so ist, habe ich in meinen vorangegangenen Newsletter wiederholt beschrieben. Wir sind also in unserer Essenz Bewusstsein. Ohne Bewusstsein keine
Welt! Der Grund, warum diese Erkenntnis so grundlegend für unser Leben ist, liegt in dem Umstand, dass der, mit der Vergänglichkeit des Körpers eintretende Tod, einen kontinuierlichen, wenn auch hintergründigen, Schatten über unser Leben wirft. Wir tragen uns mit der Angst nicht mehr zu sein.
Nicht nur aber strahlen wir im Frieden, der Liebe und Verbundenheit, sondern ein tiefes Glück erfüllt uns, wenn wir einmal über unsere dauerhafte Identität wissen! In diesem Sinne wünsche ich Euch eine erfüllende Zeit! Herzlich, Richard C Rickert |
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