Gefahr, Liebe, Landschaft Mit Dankbarkeit darf ich von einem Leben sprechen, was mich nicht nur erfüllt, sondern mich außerdem mit den Annehmlichkeiten des Alters beschenkt. Ja, ich habe in meinen „besten Jahren“ (und teilweise halten diese noch bis heute an) sehr viel gearbeitet. Darf man kreativen Ausdruck als Arbeit bezeichnen? Eigentlich sollte jeder Beruf, jede Arbeit, nichts anders sein.
Kreativität muss ja nicht unbedingt in schwingenden Linien ausgeführt werden. Die Reparatur eines Fahrzeugs kann für die entsprechende Person genauso herausfordernd und erfüllend sein. Nachdem ich also wieder mal ausgiebig geschrieben hatte, schwang ich mich auf mein Rad, um die naheliegende Zentrale der Farm aufzusuchen. Soeben kam ich aus dem offenen Tor des größeren Zeltplatzes geradelt, als mich eine ausgewachsene Brown Snake von der Straße her anschaut. Sie lag, mitten auf der
Straße in der Sonne, um wärmende Energie aufzutanken. Ich ließ mein Fahrrad auf den Boden gleiten, holte mein Handy heraus und machte, um die Schlange herumlaufend, einige Bilder. Sie lag völlig ruhig und ihrer Sache sicher in der Sonne. Dort jedoch konnte ich sie nicht dulden, denn der nächste Wagen hätte sie bestimmt bewusst überfahren. Also nahm ich einen Stock auf und bewegte mich vorsichtig von vorne auf sie zu. Sie bemerkte meine Bewegung nun und drehte sich dann zügig, um im
angrenzenden Naturreservat das Weite zu suchen. Später berichtete ich Maria darüber und steckte ihre Reaktion beschämt weg. „Hast Du sie nicht getötet?“, kam es sogleich von ihr. Ich meine, wir leben dort wo es Schlangen gibt und haben, solange diese unsere Wohnstätten nicht aufsuchen, kein Recht sie zu töten. Und hier der Hintergrund meiner Argumentation: Schlangen spüren ihrer Nahrung (Mäuse, Frösche und andere Kleintiere) nach, indem sie deren Geruch oder
Bodenschwingung aufnehmen. Die nach vorn schnellende Zunge enthält den Geruchssinn und der Unterleib einer Schlange die Fähigkeit Bodenschwingungen wie die von einer Maus verursachten aufzunehmen. Ihr könnt Euch vorstellen welche Vibration im Boden wir verursachen. Wir gehören also definitiv nicht zu den Beutetieren einer Schlange. Ein zweiter, wichtiger Aspekt im Umgang mit Schlangen ist der, dass deren Erinnerungsvermögen nur eine Zeitspanne von 1,7 Sekunden umfasst. Nimmt eine
Schlange also unsere Bewegung wahr, brauchen wir nur innezuhalten, damit sie unsere Gegenwart sofort wieder vergisst. Allein darauf beruht die Taktik von Schlangenfressern wie dem Mungo. Er erstarrt in seiner Bewegung und schnellt dann vor, um die Schlange mit einem Biss zu töten. Hier eine kleine Geschichte wie sie mir einmal geschah. Schon seit Jahren bewegte ich mich fast nur noch barfuß in der uns umgebenden Natur. Eines Tages lief ich, vorsichtig und gegenwärtig durch das
hohe Gras des angrenzenden Waldes. Gerade in dem Moment, wo ich meinen nackten Fuß, dem Verlauf eines Wildwechsel folgend, aufsetzte, kommt aus den hohen Halmen rechts von mir eine große Brown Snake. Ich erstarre in meiner Bewegung und schaue fasziniert von dem wunderschönen Schuppengeflecht ihrer Haut auf sie hinab. Derweil gleitet sie über meinen Fuß und verschwindet im gegenüberliegenden Gras. Natürlich hatte ich Respekt und war mir der Gefahr bewusst. Dennoch war mir auch klar, dass
ich sicher nicht zu den Beutetieren einer Schlange gehöre und das ich sie derzeit keiner bedrohlichen Gefahr aussetzte. Schlangen wenden sehr viel Energie auf um die für uns tödlichen Verdauungssäfte zu generieren, und hegen deshalb kein Interesse diese, für sie kostbare Flüssigkeit zu verschwenden. Nur in Notfällen der direkten Bedrohung setzen sie ihr Gift ein um sich zu verteidigen. Sicher werden sie deswegen nicht zum Streicheltier, aber panische Angst vor ihnen, ist mehr als
überflüssig. Dagegen führt die Liebe zu Streicheltieren in ganz andere Extreme. Vor einigen Wochen fand unsere Julie ein Mutterschaf mit Zwillingen im Wald. Nur wenige Tiere trennen sich von der Herde, aber es gibt welche, deren Eigensinn so stark ist, dass sie sich ausschließlich in größerer Entfernung von der Herde aufhalten. Derweil bieten die großen Wälder hier grenzenlose Möglichkeiten, sich als Schaf zu verlieren. Selbst Rinder und Pferde können plötzlich völlig
verzottelt als Wildbestand vor einem auftauchen. Nun, Julie mit ihrer großen Liebe für Tiere, nahm sich vor, die heruntergekommenen Tiere wieder auf die Beine zu bringen. Bemühungen und Investitionen brachten bei Mutterschaf und einem Zwilling keinen Erfolg. Nur der „kleine Schreihals“ ist noch übriggeblieben. Diesen führt sie nun, weil er seine Vorderläufe nicht bewegen kann, mit einem Tragegurt für Hunde spazieren. „Es wird schon besser!“, meint sie und gibt die Hoffnung nicht
auf. Die atemberaubende Landschaft stellt sich mir derweil mit immer neuen Entdeckungen in den Weg. So zeigte mir Kai aus Duisburg, der schon seit vielen Jahren hier lebt, vorige Tage eine Schlucht, von der ich tatsächlich nichts wusste. Die Bilder, die ich mitgeschickt habe, werden Euch den Rest vermitteln.
Erstaunt und hoch erfreut über diese Begegnung ließ ich meine Fahrrad zu Boden gleiten um Fotos zu machen.
Selbst eine Nahaufnahme zeigt leider nicht die verblüffende Schönheit dieser Schlange. Allein die Akzeptanz ihrer Herkunft aus der gleichen Quelle, die auch uns hervorbrachte, flößt mir anerkennenden Respekt ein.
Julie, voller Hingabe mit ihrem Sorgenkind.
Im Hintergrund, Kai, ursprünglich aus Duisburg, der hier ein neues Zuhause gefunden hat und nun zum Entdecker Jahrmillionen alter Gesteinsgeschichte wird.
Ein natürliches Fenster zum Licht. Hier, in heute 480 Metern überm Meeresspiegel, haben Flüsse in unermesslichen Zeiträumen Quarzsteine rund geschliffen.
Kai zeigt mir den Blick aufs offene Land. Über diesem Land liegt eine hörbare Stille. Sie zieht mich in ihren Bann, wie nur sehr weniges das kann.
Und nochmal zeigt sich das offene Land wie ein Garten Eden. Ein eher harscher Garten, ja, unserem Bewusstsein entsprechend, aber trotzdem wunderschön.
Und dieses Bild meiner nun achtjährigen Tochter Alya konnte ich mir nicht verkneifen Euch stolz zu zeigen. Sie freut sich über die Erfüllung ihres Wunsches, einer australischen LOL. Was kann man da noch sagen!?
Und hier zum ernsten Teil meines Beitrags für Euch: Als ich meinem älteren Bruder vor geraumer Zeit einmal nahelegte meinen „Senf“ beitragen zu wollen, fiel seine Antwort degradierend so aus: „Deinen Senf würde ich allenfalls als eine Selbst-Schmeichelung bezeichnen. Sermon (Predigt) schon eher. Denn die ist völlig geschmacklos!“ Warum ich Euch das schreibe? Weil ich gern im Vorfeld
schon klarstellen möchte, das ich allenfalls ein durchschnittlicher Mensch zu sein hoffe. Einer der sich zwar Gedanken macht und vielleicht auch bemüht ist Anhaltspunkte für Mitmenschen zu schaffen, aber keinesfalls jemand, der sich für etwas Besseres hält.
Meine Kommentare und Ideen kommen derweil spontan und finden auch so ihren Weg in die Schriftform. Ich wählte also, in meinem kleinen Naturparadies, vor ein paar Tagen die Nachrichten aus aller Welt zu hören und zu
sehen. Die Nachricht vom Krieg in Israel überflutete alle Kanäle. Von den dargestellten Grausamkeiten hoffnungslos ergriffen, gingen meine Gefühle mit mir auf eine Reise. Ich weinte in Verzweiflung über die Blindheit meinerZeitgenossen, berichtete meinem Sohn darüber und weinte nochmals, bevor sich ein Gedankenprozess in mir bemerkbar machte. Mir wurde erneut klar, das wir in einer Welt der Gegensätze leben und das es dieser Gegensätze bedarf, um
Erfahrungen machen zu können. Das Hoch braucht ein Tief, um hoch zu sein. Kalt braucht Heiß, um so empfunden zu werden. Hell braucht Dunkel, um hell zu erscheinen. Und Frieden braucht Gewalt um als solcher erkannt zu werden. Diese Gegensätze beziehen sich auf so gut wie alles in unserer Welt. Da mein Verständnis den Ursprung unserer Welt jedoch in unserem Bewusstsein sieht, (Ohne Bewusstsein keine Welt!) und eben nicht das Bewusstsein als eine Folge materieller
Prozesse anerkennt, sondern umgekehrt, die materielle Welt auf unserer Wahrnehmung basierend annimmt, bin ich der Überzeugung, dass wir, jeder Einzelne von uns, durch das was wir denken und fühlen einen direkten Einfluss auf die Beschaffenheit der Welt haben. Dieser Einfluss lässt sich, aufgrund unserer winzigen Größe, wohl kaum in einem Menschheitsgerechten Maßstab messen. Dennoch, so meine Überzeugung, addiert er sich mit dem anderer und kann so zu einer einflussreichen Kraft
anwachsen. Achtet also auf was ihr denkt und fühlt. Nehmt die Kontrolle über diese Form der Äußerung und lenkt sie in die richtige Richtung. Zu unser aller Wohl! Ja, es wird in unserer Welt wahrscheinlich immer die ein oder andere Form von Gewalt geben, dominieren jedoch, wird sie das Geschehen nur solange wie wir es zulassen. Die wohl beste Form des Einflusses, den wir nehmen können, scheint mir im Rückzug in die Stille zu liegen. In dieser Stille sind die, von uns am
höchsten geschätzten Werte zu Hause. Liebe, Freiheit und Glücklichsein kommen unmittelbar aus der unvergänglichen Stille. Wenn wir dazu berücksichtigen, das unser Bewusstsein die gleiche neutrale, zeitlose und unbeeinflusste Qualität aufweist, haben wir den Zugang zu dem was wir Gott nennen gefunden. Frage: „Bin ich jetzt bewusst? Das spontane Innehalten und die gedankenfreie Reflektion der bewussten Wahrnehmung bringt die Sicherheit der Antwort. „Ja, ich bin jetzt
bewusst!“ Diese einmalige Erfahrung, des sich selbst reflektierenden Bewusstseins, erinnert uns an das was wir sind: Ewig, unvergänglich und frei!
Herzlich, Euer Richard C Rickert
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