Liebe/r
„Ich
bin“
Alle die, welche mehr vom Leben wollen, sind angehalten sich des Wesentlichen zu erinnern.
Fragen wir uns doch deshalb einmal, was es denn eigentlich ist was da lebt, leben will, und am liebsten Erfahrungen macht, über die es, sich selbst reflektierend, sich erfreuen
kann?
Die allererste Phase unserer Entstehung durchlaufen wir, ohne dem was wir sind eine Bezeichnung zu geben. Selbst unsere Eltern sprechen vom „Es“. „Es“ wächst, „Es“ hat sich bewegt. Die Einflüsse des Entstehungsprozesses im schützenden Leib unserer Mutter, finden ihre Identität allein in der Natur des wachsenden Lebens. Dann kommen die ersten Schritte der Trennung dieser Verbindung. Der Einstieg in die
Individualität ist gemacht.
Sobald wir dann beginnen diese Trennung, noch im frühen Zustand, als Baby zu reflektieren, entsteht unsere Beziehung zu dem, was uns als Individuum bewusst macht, das "Ich"!
„Ich bin“ wird zur Grundlage aller Erfahrung!
Da wir nie
auch nur das Bedürfnis entwickeln diese Identifikation mit dem was wir sind, „Ich“ zu hinterfragen, zieht sich dieses natürliche Empfinden für das, was wir sind, durch unser gesamtes Leben.
Noch im hohen Alter meinen wir mit „Ich“ noch dasselbe, was wir schon als Kind gemeint haben. Wirklich verstehen was das aber eigentlich ist, wird den Wenigsten zu Teil.
Unser denkender Geist glaubt, dass das „Ich“ und unsere Persönlichkeit identisch sind.
Das jedoch, ist ein entscheidendes Missverständnis. Es findet eine Verwechslung statt, die uns glauben macht, dass unsere Persönlichkeit der ausschlaggebende Aspekt unserer Identität ist. Dabei ist das, was lebt nicht nur unabhängig von unserer Persönlichkeit, sondern bringt diese hervor, um seinem eigenen
Reichtum an Kreativität und Schönheit zu entsprechen.
Als Nebenbemerkung möchte ich hier anfügen, dass alles, mit den Augen des Lebens betrachtet, schön ist. Und da es gleichzeitig aus der Einheit dieser Lebensquelle kommt, und untrennbar damit verbunden bleibt, entspricht es, entsprechen wir alle, dem Prinzip der Liebe.
Um der Erfahrung der Liebe Willen jedoch, sind wir angehalten das „Ich“ als das zu erkennen, was es tatsächlich ist. Es ist das Bewusstsein, was alles hervorbringt, was alles durchtränkt, und was gleichzeitig selbst frei ist von seiner eigenen Erscheinung.
Ich habe einen der großen Weisen unserer Zeit, Rupert Spira, in dem Versuch Bewusstsein zu beschreiben,
einmal sagen hören:
- Bewusstsein ist das in dem jede Erfahrung stattfindet.
- Bewusstsein ist das mit welchem jede Erfahrung wahrgenommen wird.
- Und Bewusstsein
ist das woraus alles besteht.
Das sind tatsächlich Erkenntnisse, für die es scheinbar keiner besonderen Intelligenz bedarf, um nachzuvollziehen was gemeint ist, und dennoch hat diese Erkenntnis solch gravierende Folgen auf die Wahrnehmung unserer Welt, dass es meistens eines Zeitraums bedarf, um sie uns dauerhaft zu eigen zu
machen.
Noch einmal zum „Ich“.
Mit diesem Wort bezeichnen wir das, was ist.
Nein, nicht das, was „das
was ist“ hervorbringt, sondern das, was selbst der unveränderte Zustand des Seins ist.
Ja, wir kommen mit dem Gefühl – denn immerhin ist „Ich“ nicht nur ein Wort – in diese Welt, lernen uns damit zu bezeichnen und verwechseln das, was wir ursprünglich (schon als Kind) damit bezeichneten, dauerhaft mit unserer Persönlichkeit.
Das diese von Erlebnissen und Konditionierungen geprägt, sich ständig verändert, dass wir also mit 40, in unserer Persönlichkeitsstruktur, schon lange nicht mehr der/die sind die wir mit 4 einmal waren, geht für die meisten von uns im Inhalt des Lebens unter.
Und damit sprechen wir einen Grundzustand an, in dem ebenfalls die meisten von uns leben. Nämlich abgelenkt vom „Ich“, dem „Inhalt“ des
Lebens verpflichtet.
Damit will ich keinesfalls sagen, dass das grundsätzlich falsch ist. Nein, allenfalls vom Wesentlichen ablenkend und sicher oft verwirrend. Denn die Werte der Liebe, welche ja unsere eigentlich lebenserfüllenden Werte sind, gehen über die vielen anderen, persönlichen Werte verloren.
Besinnen wir uns also auf unser tatsächliches „Ich“.
Es war schon immer „Ich bin“ und spricht die Sprache der Stille, in der sich alle Sprachen, alle Formen der Erscheinung finden. Hören wir einfach regelmäßig zu, um zu lernen, was wir sonst noch sind!
Mit herzlichen Grüßen aus der
Stille des Waldes,
Richard C Rickert
PS. Und bitte, ja, schreiben sie mir, wenn Sie sich danach fühlen.
Ich lebe von Ihren Worten
und beziehe meine Energie zu schreiben durchaus von Ihren Antworten.