Bevor ich Euch heute meine persönliche Geschichte erzähle, aus der ihr ja wirklich nur mehr oder
weniger hilfreiche Schlüsse ziehen könnt, möchte ich ein paar grundlegende Worte über die „Innere Reise“ an Euch wenden.
„Jedes Leben ist ein spirituelles Leben“, allein deswegen, weil der große Teil der materiellen Wirklichkeit, den wir nicht, oder nur sehr bedingt wahrnehmen, dem Geiste näher steht als dem, was wir für Materie halten. So ist jeder auf einer inneren Reise, fühlt sich von Dingen, Personen oder auch Umständen angezogen, lernt daraus und geht weiter auf seinem/ihrem Weg.
Niemand ist jemals, auch nur in der geringsten Weise, vom Universum getrennt. Würden wir unsere eigene Haut unter einem Elektron-Mikroskop betrachten,
wäre tatsächlich Beginn und Ende dieser körperbegrenzenden Schicht nur sehr schwer erkennbar. So sehr sind wir mit der uns umgebenden Luft verbunden. Wir sind ein energetisch schwingender Körper in einer energetisch schwingenden Welt.
Warum fühlen wir uns also getrennt von dieser? In den meisten
Fällen, weil wir uns mit dem denkenden Teil in uns identifizieren. Das war der sinnbildliche „Fall aus dem Paradies“. Wir wurden zu Individuen, welche glauben allein in der Welt zu stehen, und allein für Ihr Überleben Sorge zu tragen. Der Wahrheit sei Dank, dass Letzteres nur sehr bedingt der Wirklichkeit entspricht. Unser Gehirn und
Denkapparat hat eine ganz bestimmte Funktion, die uns der „spirituellen Entwicklung“ Schritt für Schritt näher bringen kann.
Die Sinnbildliche Darstellung, dass wir im „Ebenbild des Herrn“ erschaffen wurden, entspricht durchaus der lebendigen Gegenwart. Allein der Zweifel daran, welcher in direkter Verbindung zum einzelkämpfenden Individuum steht, macht
alle Bemühung zu Nichte unser Leben so zu entfalten wie wir es uns erträumen. Aber gerade eben weil die Welt wie wir sie erleben, ganz anders ist als wir es überhaupt für möglich halten, ist diese schöpferische Anlage in uns als „Ebenbild“ tief verankert.
Das Element der direkten Verbindung zum Universum ist unser Bewusstsein!
Wie schon erwähnt sind wir, auch körperlich, nicht im geringsten von dem getrennt was uns in die Gegenwart erschafft. Das Bewusstsein jedoch ist unser direkter
Zugang. Es liegt aller Existenz zu Grunde und würde, durch seine Abwesenheit, jegliche Wahrnehmung der Welt auslöschen. Das Bewusstsein ist also der Teil von uns, der uns mit Allem was wir sind in direkte Verbindung setzt. Es ist der Maßstab, die Qualität, die Zeit und der Raum über den wir unsere Welt erfahren. Über es, das
Bewusstsein, sind wir allzeit mit der Einheit verbunden.
Das wissend, ist es dennoch verblüffend, dass aus der bewussten Zuwendung zu diesem formlosen Element ein grundlegendes Gefühl der Harmonie, des Friedens, der Freiheit und des Glücklichseins entsteht! All das haben wir also schon. All das sind wir also schon, allein weil wir die Fähigkeit zur bewussten Wahrnehmung haben.
Und jetzt noch etwas maßgebliches über den „Spirituellen Weg“! Da es sich nicht um Schulwissen handelt was wir auswendig lernen können um es zu verstehen, stützt sich die Spirituelle Lehre auf die Erinnerung als Krücke der Orientierung. Schon Jesus soll gesagt haben: „ Kommt in meinem Namen zusammen und erinnert Euch dessen wer ich bin!“ So obliegt
es uns also, eine lebendige Erinnerung-Routine für unseren Alltag zu entwickeln, die eben nicht wie z.B. das Zähneputzen im Halbschlaf vollzogen wird, sondern ganz bewusst angegangen, das tägliche Erwachen in eine Richtung fördert, die den gesamten Tag auf dieses spezielle Wachstum einstimmt. Und hier mein eigenes tägliches Lernen. Menschen Menschen sind wie eine Landschaft. Immer wieder schön und fastzinierend anzuschauen und zuzulassen. Die
Landschaften der Natur empfinde ich als so umwerfend faszinierend und schön, dass ich mitten in einer Autotour anhalten muss, mich auf die Kühlerhaube setze und die Landschaft anstarrend, tief durchatme. Fast ist das wie ein Gebet, wie ein berührendes „nach Hause kommen“ in der „Offenbarung“ einer Landschaft. Und dann begegne ich den Menschen. Meine Güte, ich erstarre vor Erstaunen in wievielen Varianten wir kommen. Und nicht ein Einziger bedarf irgendeiner Form der Beurteilung, sondern nur des liebevollen Teilens, um vielleicht das Ein oder
Andere ihres Lebens in die Vollendung zu helfen. Denn …………….. grundsätzlich wollen wir ja alle das Gleiche! Geliebt und anerkannt, satt und zufrieden sein und rundum glücklich!
Wie aber navigieren wir durchs Leben ohne dass wir uns ständig die oftmals dabei
entstehenden Wunden der Reise lecken zu müssen und darüber die Welt dafür verantwortlich machen? In solchen Reaktionen gefangen bauen wir uns ein selbstgewähltes Gefängnis. Ich denke Ihr wisst was ich meine. Wir spezialisieren uns darauf, aus Erfahrungswerten Richtlinien zu entwickeln, die uns vor zukünftigen Schmerzen bewahren sollen. Und machen sogar, zu guter Letzt, Gott dafür verantwortlich, dass andere
Menschen uns verletzten.
Aber so läuft das nicht!
Wir sind jetzt hier. Und das, was wir „Gott“ nennen, steht uns in Form des Bewusstseins zur vollen Verfügung. Es ist die Grundlage aller Existenz und stellt für uns das „Ich“, welches wir noch nach Jahrzehnten als dasselbe empfinden. Das, was wir als „Ich“ bezeichnen bleibt das
Selbe, ob wir es als Fünf- oder als Fünfzigjährige benutzen. Was also ist es das da dasselbe bleibt? Kaum einer von uns lernt sich tatsächlich auf das, was wir „Ich“ nennen zu beziehen. Von vornherein verwechseln wir es mit dem was das Leben aus uns macht, der Persönlichkeit. Das soll kein Vorwurf sein, sondern allein ein Hinweis, der uns
alle, bzw. die meisten von uns betrifft. Zugegeben, es scheint eine gewisse Reife vorauszusetzen, die volle Konsequenz endgültig zu verstehen, aber allein deswegen sind wir hier, da bin ich mir sicher! Gemeinsam reifen wir besser und gemeinsam verstehen wir schneller.
Nehmen wir ein praktisches Beispiel. Hier die Geschichte einer Übernachtungsepisode in Sydney Australien. Es dämmerte bereits als ich das Haus, in welchem ich dachte, ein Zimmer gemietet zu haben, in Mitten einer Siedlungsreihe anhand der Hausnummer erkannte.
Der wohl gepflegte Rasen und die sauber verlegten Mauersteine des Hause machten einen ersten Eindruck. Dann sah ich zwei Kunststoffstühle vor der Haustüre stehen, die schmutzige Socken und mehrere Paar Schlappen zu behausen
hatten. Ich schellte und eine verschlafend klingende Stimme bestätigte mir, dass ich bemerkt wurde. Dann stand ein sehr aufgeregter junger Mann vor mir und begann, nach kurzer Vorstellung, gleich mir die Hausregeln zu erklären. Ob ich seine Textnachricht empfangen hätte, und mit den Regeln einverstanden wäre. Ich hatte weder empfangen
noch gelesen. Schon bald ergoss sich eine Litanei von zu beachtenden Umständen über mir aus. Der „junge Mann“, Fidjien-Indien, etwa 35 Jahre alt und allein lebend, stellte mir dann seine gesamte Familiengeschichte vor und führte mich durch das alte, total verlotterte Haus wie durch eine Gruft in der noch immer die Gebeine seiner
verstorbenen Eltern zu liegen schienen. Dann nahm er eine Fotoaufnahme meinem Perso und eine direkte von meinem Gesicht, während er mir versicherte, dass er mein Geld, die 88 australischen Dollar bereits erhalten habe und dass ich nun wählen dürfte, ob ich im ehemaligen Ehebett seiner Eltern (für 20 Dollar extra), oder auf der Matratze auf dem Wohnzimmerboden auf der er, ganz ehrlich, nur eine Stunde gelegen hätte,
schlafen wollte? Die Matratze auf dem Boden war verhältnismäßig, auf jeden Fall, mein Favorit, obwohl ich, ums milde zu sagen, eine gewisse Abneigung gegen die Idee in mir deutlich werden fühlte. Dann zeigte er mir den Rest des Hauses und kündigte seine abendliche Erstbenutzung der Dusche an bevor er ein Football Game im gleichen Raum
ansehen wollte. Ich ließ alles auf mich wirken.
Fast war ich dabei meine eigenen Bettdecken ins Haus zu bringen, als ein näherer Blick auf die verstaubten Möbel mir den vermoderten Geruch des ungepflegten Hauses bewusst machte. Als Nächstes bat ich um seine Akzeptanz mein kleines Zelt auf seinem Rasen aufbauen zu dürfen. David reagierte mit anfänglichem Unverständnis, fühlte dann aber wohl nur wenig Widerststand einzuwilligen. Es würde die Gefahr des Fremden aus seinem Haus bannen und gleichzeitig die Berechtigung den Preis einzubehalten unterstützen. So baute ich also für 88 Dollar im Regen mein Zelt auf dem privaten Rasen eines Vorstadthauses von Sydney
auf. Blieb noch die Benutzung der Dusche. Nachdem er also mit dem Bad fertig war, durfte ich in die nasse Höhle des Löwen. Nein, in einer Solchen hätte ein Löwe wohl kaum gelebt. Ohne auf die nähere Beschreibung eingehen zu wollen, ihr würdet mich vielleicht der Unmenschlichkeit bezichtigen, brachte ich meine Notwendigkeiten fließend hinter mich und verschwand in meinem Zelt. Für den nächsten Tag hatte ich umfangreiche Geschäfte abzuwickeln und wollte früh raus. Das Einschlafen bedurfte dann doch schließlich der Ohrstöpsel, denn das Gebrumme der Achtzylinder
unmittelbar vor meinen dünnen Wänden war dann doch immer wieder aufschreckend. Schließlich aber wurde es ruhiger, ich schlief und die biologische Uhr trieb mich, wie immer hier, um 6:30 aus den Federn. An meinem ersten Terminort angekommen schrieb ich dem guten David dann ein paar
Hilfen wie man sein Leben in den Entwicklungsprozess der Seele einreihen könnte, um damit die Schatten der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Tatsächlich bemühte ich mich all meiner Liebe Ausdruck zu verleihen, freundlich und verständnisvoll zu wirken und ein paar treffende Gründe für die vorgeschlagenen Veränderungen anzuführen. Die Reaktion unseres Bruders David, so wunderte ich mich, war überaus schockiert, hässlich und voller Aggression. In einer weiteren Antwort beschwichtigte ich ihn dann, dass ich keinerlei Kommentar bei Booking.com schreiben würde, dass ich ihm jedoch zu seinem eigenen Vorteil raten würde sich selbst und sein Haus auf einen akzeptablen, lebendigen Standard zu
bringen. Die Antwort kam dann einen Tag später von seinem Partner John, der vermittelte meine Worte richtig verstanden zu haben und sich um David und sein Haus kümmern würde.
So, und warum schreibe ich Euch all das? Tatsächlich durfte ich mich, in Konfrontation mit diesem Leben von David, mal so richtig ins Gebet genommen fühlen. Zu früheren Zeiten hätte ich mein Geld zurückverlangt, hätte ihn vielleicht sogar bedroht und wäre dann Türe knallend abgezogen. Inzwischen aber, erkenne ich mehr und mehr das „Eine“ in Allem! Nicht immer. Auch ich vergesse. Aber ich fühle den aktiven spirituellen Prozess in dem ich stecke und dass meine Seele nur durch diese Gegenwart zur Ruhe kommt.
Ich sah also David als eine Verkörperung derselben Kraft, wusste dass ich nicht zur Beurteilung mit ihm in Kontakt getreten war, sondern aufgefordert ihm etwas zu geben. Wusste, dass auch ich aus der Begegnung zu lernen
hatte. Dennoch fühlte ich mich frei im Bewusstsein des Einen, ohne mein eigenes Ego ins Spiel bringen zu müssen. Ich tat was für mich selbst am besten war, indem ich das Haus mied, aber engagierte mich für Davids Situation, durch den Beitrag meiner ehrlichen Meinung. Noch heute bin ich dankbar für diese Lehre! Davon gab es auf dieser Reise einige, von denen zu berichten allerdings hier zu weit führen würde. Ich hoffe Ihr könnte mit dem Beschriebenen etwas anfangen. Falls es dafür Fragen gibt, ziert Euch nicht, es ist mir eine Freude darauf einzugehen.
Ganz herzlich, Richard |
|
|